06.10.2017

2017 - 02 - Newsletter

2017 - 02 - Newsletter

Immer wieder sind Produkte an der Entstehung von Kinderunfällen beteiligt: Beim Sturz vom Wickeltisch, beim Verschlucken von Kleinteilen oder die Schäden, die Chemikalien im Haushalt und in Kinderspielzeug anrichten. Grund genug für die BAG auch nach dem nationalen Kindersicherheitstag die Sicherheit von Produkten im Blick zu behalten. Wir stellen die neue Produktdatenbank vor, die Verbraucherinnen und Verbraucher informiert, worauf sie beim Kauf und der Nutzung von Produkten achten sollten. Wir machen auf Gefahren aufmerksam, die durch falsche Lagerung und Verwendung von Haushaltschemikalien für Kinder entstehen und wir präsentieren unsere Ergebnisse der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Unfallverhütung in der Kindertagespflege. Wie wünschen Ihnen eine informative Lektüre. 

Der Newsletter zum Herunterladen als PDF

1. Produktdatenbank: Kinderprodukte richtig auswählen

Kindersitz, Wickeltisch oder Fenstersicherung – alles typische Produkte, die in einem Haushalt mit Kindern zu finden sind. Diese und viele weitere Produkte hat die BAG hinsichtlich unfallrelevanter Fragestellungen analysiert und als Produktportraits in eine Produktdatenbank eingetragen. Die Produktportraits beinhalten Bilder sowie Informationen zum Einkauf und Gebrauch eines sicheren Produktes und den damit verbundenen Risiken. Weiterhin werden Hinweise zu Prüfsiegeln und Sicherheitszeichen gegeben. Die Produktdatenbank ist in der neu eingerichteten Rubrik Produktsicherheit auf der Homepage der BAG zu finden. Ermöglicht wurde der Aufbau der Datenbank durch eine Projektförderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Um den Nutzerinnen und Nutzern der Produktdatenbank die Möglichkeit zu geben, aus der Fülle der vorhandenen Produkte die Auswahl auf die für sie Wesentlichen einzugrenzen, werden verschiedene Lebenssituationen angeboten.

Die Auswahl der Lebenssituation: „Erstes Lebensjahr“ beinhaltet Wickeltisch, Kinderwagen und Babyschale für das Auto, nicht aber das Laufrad oder das Trampolin. Für die Produkte, die in die Produktdatenbank aufgenommen werden, gibt es drei Bedingungen, von denen mindestens eine erfüllt sein muss: Sie sind häufig in Haushalten mit Kindern zu finden, sie können für Kinderunfälle verantwortlich sein, es gibt sicherheitsrelevante Informationen/Tipps.

Bei der Erstellung der Produktportraits wurde darauf geachtet, dass sie informativ, verbraucherfreundlich, attraktiv und nicht zu textlastig sind. Deshalb wurden die Texte durch Fotos und Illustrationen untermalt.

Die Nutzeranalyse der BAG Homepage hat gezeigt, dass über 30 % der User die Homepage über Smartphones und Tablets aufrufen. Deshalb wurde die Seite entsprechend dieser Nutzung optimiert. Damit kann die Datenbank von überall auf allen Geräten genutzt werden: z.B. wenn Eltern gerade beim Einkaufen sind.

Mehr Informationen und die Produktdatenbank finden Sie unter:

http://www.kindersicherheit.de/produktsicherheit/datenbank-kinderprodukte.html

2. Mit digitalen Medien vor Vergiftungen schützen

Die Mediennutzung von Verbraucherinnen und Verbrauchern, insbesondere der jungen Elterngeneration, verändert sich. Social-Media-, Video- und Austauschplattformen spielen bei der Informationsbeschaffung eine wichtige Rolle. Umso mehr überraschen die Ergebnisse der von uns durchgeführten Fokusgruppe mit jungen Eltern, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Umweltbundesamt geförderten Projektes "Digitale Medien zum sicherheitsbewussten Umgang mit gesundheitsgefährdenden Haushaltschemikalien" durchgeführt wurde.

Junge Eltern gehen in den Drogeriemarkt, Supermarkt oder Discounter und suchen am Regal die Informationen, die ihnen zu den Produkten wichtig erscheinen. Das Internet bleibt als Informationsquelle außen vor. Beim Kauf von Putzmitteln und Haushaltsreinigern sind junge Eltern Gewohnheitstiere. Ist der Allzweckreiniger, das Geschirrspülmittel oder das Waschmittel leer, wird dasselbe Produkt erneut gekauft.

Viele Mittel, die zur Reinigung im Haushalt genutzt werden, sind weniger bedenklich als von den Teilnehmenden der Fokusgruppe erwartet. Ausnahme bildet die Essigessenz, die als eher harmlos bewertet wurde, tatsächlich aber schon in geringen Mengen für Kinder gesundheitsschädlich ist.

Vorbildlich lagern die jungen Eltern ihre Putz- und Reinigungsmittel: Außerhalb der Reichweite von Kindern - oft in sicher verschlossenen Schränken. Nur Geschirrspültabs befinden sich noch zu häufig neben der Spülmaschine im Küchenunterschrank.

Informationen zur Bedeutung der einzelnen Warnsymbole, die auf Putz- und Reinigungsmitteln angebracht sind, besitzen junge Eltern eher selten. Das Ausrufezeichen als Warnsymbol ist ihrer Meinung nach nichtssagend. Ein kindergesicherter Verschluss wird wahrgenommen, aber fällt beim Kauf kaum auf, sondern erst zu Hause. Allen Teilnehmenden gemein ist der Wunsch nach Einfachheit und Klarheit bei den Sicherheitsinformationen auf dem Produkt. Mit diesen Ergebnissen konzipiert und produziert die BAG kurze Videoclips, die Eltern über Gefahren durch Haushaltschemikalien aufklärt und ihnen hilft, für mehr Sicherheit im Haushalt mit Kindern Sorge zu tragen.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie unter:

www.kindersicherheit.de/projekte/digitale-medien.html

3. Neue Rubrik: Kindertagespflege

Die BAG hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Unfallverhütung in der Kindertagespflege beschäftigt. Das war der Anlass, die vielfältigen Angebote der BAG in diesem Bereich, die zum größten Teil schon auf der Homepage zu finden sind, nun in einer eigenen Rubrik zu bündeln. Die Rubrik richtet sich an Tagespflegepersonen, Fachberatungen und Jugendämter. Aber auch Eltern und andere Interessierte finden hier:

  • Informationen zu Fortbildungsangeboten der BAG und ihrer Partner: Beispielsweise das Train-the-Trainer Seminar für Referentinnen und Referenten, die in der Qualifizierung von Tagespflegepersonen zum Thema „Kindersicherheit und Unfallverhütung“ tätig sind oder sein möchten
  • Einen Referentinnen- und Referentenpool: Diejenigen, die Referenten für eine Fortbildung zum Thema „Kindersicherheit und Unfallverhütung“ suchen, können sich an die BAG wenden. Wir vermitteln - insbesondere in NRW - Referentinnen und Referenten
  • Die BAG-Checkliste für die Sicherheit in der Wohnung von Tagespflegepersonen: Über ein Baukastensystem können sie als Fachberatung oder Tagespflegeperson selbst eine Checkliste mit den wichtigsten Sicherheitsaspekten für die Wohnungsbegehung von Kindertagespflegeeinrichtungen zusammenstellen. Damit die Checkliste auch weitergegeben werden kann, besteht die Möglichkeit, das eigene Logo auf dem Deckblatt der Checkliste zu platzieren.
  • Die Produktdatenbank „Sichere Kinderprodukte“: Für Produkte, die für Tagespflegepersonen relevant sein können, wurden Produktportraits erstellt und in der Produktdatenbank unter der Lebenssituation „Kindertagespflege“ zusammengefasst. Wie oben beschrieben, beinhalten diese Produktportraits Informationen zum Einkauf und Gebrauch eines Produktes und beschreibt die damit verbundenen Risiken. Es werden Hinweise zu Prüfsiegeln und Sicherheitszeichen gegeben, auf die geachtet werden sollte.
  • Arbeitskreis Kindertagespflege: Im Jahr 2016 hat die Unfallkasse NRW den Arbeitskreis Kindertagespflege, an dem auch die BAG teilnimmt, ins Leben gerufen. Der Arbeitskreis hat das Ziel, konkrete praxisorientierte Handlungsanleitungen zur Sicherheit und Gesundheit in der Kindertagespflege zu entwickeln. Die Handlungsanleitungen richten sich an Genehmigungsbehörden, Fachberaterinnen und Fachberater der Kindertagespflege und an die Kindertagespflegepersonen selbst.
  • Links und Hinweise

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.kindersicherheit.de/kindertagespflege.html

4. Rutschen sind für Kinder – nicht für Eltern oder Großeltern

Eltern oder Großeltern als Verursacher von Kinderunfällen auf Spielplätzen? Kaum zu glauben, aber wahr: Eine Amerikanische Studie legt dramatische Zahlen vor. Die groß angelegte US-Studie des Mediziners Charles Jennissen von der Carver Universität in Iowa weist darauf hin, dass das Rutschen im Schoß der (Groß-)Eltern das Unfallrisiko für Kleinkinder deutlich erhöht.

In dem Untersuchungszeitraum von 13 Jahren (2002-2015) haben sich in den Vereinigten Staaten ca. 353.000 Kinder unter 6 Jahren auf Rutschen verletzt, das sind rund 27.000 Spielplatzunfälle auf Rutschen pro Jahr. Das Geschlecht der Kinder spielt hierbei weniger eine Rolle als das Alter. Bei den Rutschbahnunfällen waren am häufigsten Kinder zwischen 12 und 23 Monaten betroffen (22%). Häufigste Diagnose waren Knochenbrüche (36%), vor allem der unteren Extremitäten z.B. das Schienbein. Hauptursache hierfür war das Herunterrutschen auf dem Schoß der Eltern (bzw. eines Erwachsenen). Zu der Verletzung beim Kind kommt es, weil das Bein/der Fuß sich am gebogenen Rand der Rutschbahn verfängt, hängenbleibt und sich das Bein verdreht. Durch den zusätzlichen Schwung des Erwachsenen wirken größere Kräfte auf das Bein des Kindes ein, als wenn das Kind alleine gerutscht wäre und dies wiederum führt zu den schwereren Verletzungen.

Eltern wissen nicht um die Gefahr, in die sie ihr Kind - bei der gutgemeinten Unterstützung beim Rutschen - bringen. Die Wissenschaftler warnen daher: Auf Rutschbahnen nicht mit einem Kleinkind auf dem Schoß herunterrutschen sondern das Kind alleine rutschen lassen, wenn es dazu in der Lage ist.

Weitere Informationen:

https://www.aap.org/en-us/about-the-aap/aap-press-room/Pages/Riding-a-Slide-While-Riding- on-a-Parents-Lap-Increases-the-Risk-of-Injury.aspx

5. Haus der kleinen Forscher: Kinder forschen zu Prävention

Gemeinsam mit der Unfallkasse Rheinland-Pfalz hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) Experimentierkarten für pädagogisches Fachpersonal zum Thema „Sicherheit und Gesundheit“ für Kitas und Grundschulen entwickelt. Die Karten sensibilisieren Kinder auf anschauliche Weise für Sicherheits- und Gesundheitsthemen. Annahme hinter dem Projekt ist, dass Kinder schneller begreifen, wenn sie Dinge selbst erforschen können.

Als Schwerpunkte stehen im Fokus:

1. Sichtbarkeit im Straßenverkehr

2. Stolpern - Rutschen - Stürzen

3. Hygiene und Hautschutz

4. Haushaltsgifte

5. Lärm

Als Vorbild dieser Aktion diente die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, eine bundesweit tätige Initiative für frühkindliche Bildung im MINT-Bereich. Mit Hilfe von Experimentierkarten vermittelt die Stiftung auf einfache und verständliche Weise Alltagsfragen aus den verschiedenen naturwissenschaftlichen Bereichen für Kindergarten und Schule.

Die Experimentierkarten der DGUV sind zu finden unter:

http://www.dguv.de/webcode/d104325

Zu der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ geht es hier: 

http://www.haus-der-kleinen-forscher.de

6. Hundebisse vermeiden mit dem blauen Hund

Es gibt ihn wirklich, den blauen Hund. Und er feiert in Deutschland in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Seit 2007 steht der „Blaue Hund“ für ein länderübergreifendes Projekt mit dem Ziel, Verletzungen durch Bisse bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren zu verhindern. In mehr als der Hälfte aller Haushalte mit Kindern in Deutschland lebt ein Haustier. Kommt es zu Verletzungen durch Tiere, erfordern sie häufiger eine stationäre Behandlung als andere Unfälle. Pferde und Hunde sind bei zwei Drittel aller im Krankenhaus behandelten Tierunfälle beteiligt.

Kinder unter 5 Jahren sind am stärksten gefährdet, durch Hunde Verletzungen zu erleiden. Die Verletzungen betreffen wegen der Körpergröße und des Spielverhaltens der Kinder vor allem den Kopf. Hundebisse sind oft traumatische Erlebnisse für Kinder, die sie ihr Leben lang nicht loswerden, ebenso, wie die Narben der Verletzungen. Studien gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der Hundebisse durch einen dem Kind bekannten Hund im Zuhause des Hundes passieren. Jeder vierte Hundebiss infiziert sich.

Am 11. November 2017 wird im Rahmen des Kongresses der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e.V. (DVG) in Berlin die Veranstaltung "Blue Dog & One Health" stattfinden. Von der Charité in Berlin werden Frau PD Dr. Märzheuser, Präsidentin der BAG Mehr Sicherheit für Kinder, über den "Stand der Wissenschaft zur Behandlung von Hundebissen beim Menschen – Infektionsprophylaxe" informieren und Frau Prof. Rothe zu "Hundebissverletzungen im Kindesalter - Verletzungsfolgen, Dokumentation und Erstmaßnahmen" sprechen.

Mehr Informationen zum Kongress erhalten Sie hier:

http://www.dvg-vet-congress.de/

Zum Thema "Kinder und Tiere - Sicher geht das!" hat die BAG eine kostenlose Broschüre herausgegeben. Sie kann in unserem Bestellservice bestellt und heruntergeladen werden:

http://www.kindersicherheit.de/service/bestellservice.html