30.10.2014

2014 - 03 - Newsletter

In diesem Herbst dreht sich vieles um Qualitätsentwicklung - sei es bei den diskutierten Inhalten des zukünftigen Präventionsgesetzes, bei der Gestaltung chancengerechter Gesundheitsförderung oder bei der Kinderunfallprävention. Auch in unserem Newsletter geht es um die Qualität von Maßnahmen, um qualifizierte Kommunikation von Sicherheitsthemen und um qualitativ hochwertige Produkte. Lassen Sie uns bei all diesen Qualitätsbemühungen unsere eigene Lebensqualität nicht vergessen und atmen wir einmal durch in diesem ereignisreichen Herbst 2014!


Unseren Newsletter als PDF erhalten Sie hier.

In der Arbeit mit Eltern oder Kolleginnen und Kollegen ist es manchmal
schwierig, den richtigen Ton zu treffen und/oder den richtigen Moment zu erwischen. Gerade bei der Unfallprävention geht es darum, nicht mit erhobenem Zeigefinger, mit vermeintlich Selbstverständlichem oder langweiligen Botschaften daher zu kommen. Melden Sie sich hier bei unserer Methodenwerkstatt an, wenn Sie neue Kommunikationstechniken erlernen
wollen!

Aus der Erwachsenenbildung und aus der praktischen Unfallverhütung gibt es Erfahrungen, Tipps und Tricks, wie präventive Maßnahmen zielgruppengerecht und kreativ vermittelt werden können. Zu diesen effektiven Methoden veranstaltet die BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. mit Unterstützung durch das Landesministerium für Gesundheit NRW ein Tagesseminar mit dem Titel „Methodenwerkstatt Kindersicherheit“.

Ziel des Seminars in Düsseldorf ist es, didaktische Techniken und Instrumente kennen zu lernen und auszuprobieren. So werden die Teilnehmenden dazu befähigt, in typischen Situationen, also bei One-To-One-Gesprächen, bei Elternabenden, Hausbesuchen oder in Teambesprechungen für das Thema Kindersicherheit zu aktivieren und zu überzeugen.

Für diese Methodenwerkstatt sind noch einige Plätze frei: Sie findet am 10.11.2014 von 10 bis 17 Uhr im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Horionplatz 1, 40213 Düsseldorf statt. An dem Seminar können 25 Personen teilnehmen. Die Kosten betragen 30 EUR pro Person inklusive Verpflegung und Materialien.

Die Seminarankündigung sowie weitere Informationen zu unseren Fortbildungen sind zu finden unter: http://www.kindersicherheit.de/fortbildungen.html

Welche Qualitätsinstrumente werden in der Kinderunfallprävention benötigt? Wie werden Checklisten zur Qualitätsentwicklung von Fachkräften genutzt und welche Rolle spielen sie in der praktischen Arbeit? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, führt die BAG zurzeit eine Online-Umfrage durch. Mit den Ergebnissen sollen Verbesserungspotenziale aufgezeigt und Ansätze entwickelt werden, wie Qualitätssicherung in der Kinderunfallprävention verankert und bei den Akteurinnen und Akteuren verbreitet werden kann.

Im Bereich der Kinderunfallprävention gibt es eine Fülle von Akteuren, Materialien, Projekten und Maßnahmen. In Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sammelt und dokumentiert die BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. die Angebote und Anbieter im Internetportal www.bzga.de/kindersicherheit. Dieses Portal dient dazu, Medien und Maßnahmen bekannt zu machen, den Trägern oder Entwicklern von unfallpräventiven Angeboten gute Beispiele, Fachinformationen und Kontakte zu eröffnen.

Zur Förderung guter Praxis stellen BAG und BZgA dort auch Qualitäts-Checklisten zur Verfügung, und zwar die Checkliste zur Planung und Entwicklung von Medien sowie die Checkliste zur Planung und Entwicklung von Maßnahmen. Diese werden mittels dieser Online-Befragung auf ihren Nutzen hin überprüft.

Es hilft uns sehr weiter, wenn sich zahlreiche Fachpersonen an der Umfrage beteiligen. Machen Sie mit und tragen Sie dazu bei, dass Qualität auch in der Kinderunfallprävention groß geschrieben wird! Als Dankeschön bieten wir Ihnen die kostenlose Teilnahme an unserer Fachtagung „Kinderunfallprävention für die Praxis - Sicherheitsbotschaften anschaulich und wirkungsvoll vermitteln“ an.

Hier geht es zur Umfrage

3. In Kinder investieren: Strategie der WHO zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Vom 15. bis 18. September 2014 fand die 64. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa in Kopenhagen statt. Auf der Tagung berieten die Delegationen der 53 Mitgliedstaaten über Fragen der öffentlichen Gesundheit in der Region sowie über die Steuerung und Führung des WHO-Regionalbüros für Europa.

In „Gesundheit 2020“, dem Rahmenkonzept für Gesundheit und Wohlbefinden, stellt die WHO Strategien für die Gestaltung der Gesundheitspolitik dar, die für Kinder und Jugendliche von besonderer Bedeutung sind.

Es gibt positive Trends zu verzeichnen, aber auch Grund zur Besorgnis: Zwar verbessert sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Region kontinuierlich; aber sowohl innerhalb der Länder als auch zwischen Ländern gibt es nicht für alle Kinder und Jugendlichen die gleiche Chance auf Gesundheit.

Als Zukunftsvision wird angestrebt, dass alle in der Europäischen Region der WHO geborenen Kinder und Jugendlichen zu Hause, im Wohnumfeld und in Kindergarten und Schule gesunde und sichere Bedingungen vorfinden.
Für die Verletzungsprävention steht nach den Erkenntnissen der WHO grundsätzlich ein breites Spektrum effektiver Interventionen bereit. Die besten Ansätze bestehen in einer Kombination aus gesetzlichen Initiativen für sicherere Produkte und Kampagnen zur Verringerung von Risikoverhalten. Damit können sichere, nachhaltige Lebensbedingungen für Kinder und Familien geschaffen werden.

Bei der Planung und Entwicklung solcher Bedingungen sind partizipative Methoden ein wichtiger Zugang, um die Bedürfnisse von Kindern sichtbarer zu machen und ihnen zu ihrem Recht verhelfen, wahrgenommen und gehört zu werden. Wesentlich sind auch die Beiträge von nichtstaatlichen Organisationen als eine entscheidende Voraussetzung zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Die BAG sieht sich durch die Ausführungen der WHO in ihrem eingeschlagenen Weg und in ihren Handlungsstrategien bestärkt. Weitere Informationen zur Tagung des Regionalkomitees für Europa der WHO finden Sie unter:
http://www.euro.who.int/de/about-us/governance/regional-committee-for-europe/64th-session

Am 6. und 7. Oktober 2014 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Kindersicherheit aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum ersten „Dreiländertreffen Kindersicherheit“ am Wolfgangsee.

Das Netzwerktreffen ermöglichte den Austausch über Präventionsstrategien, konkrete Projekterfahrungen und fruchtbare Kooperationsbeziehungen in den teilnehmenden Ländern und mit EU-Partnern. Einigkeit bestand darin, dass länderübergreifende Anstrengungen nötig sind, um Kindersicherheit höher auf die politische Agenda zu setzen. Sowohl künftige Zusammenarbeitsformen als auch die Möglichkeit von gemeinsamen Projekten standen bei diesem Treffen im Mittelpunkt. So konnte ein Reihe gemeinsamer Ziele definiert werden, z.B. den Kindersicherheitstag als öffentlichkeitswirksames Event über Deutschland hinaus auszuweiten.

Anhand einer Fülle von Medien, die vor Ort präsentiert wurden, diskutierten die Teilnehmenden Chancen und Grenzen einer gemeinschaftlichen, länderübergreifenden Nutzung. Als positives Ergebnis trafen sie konkrete Vereinbarungen zu Filmspots mit zentralen Unfallpräventionsthemen, wie z. B. Verbrühungen oder Fensterstürzen.

Besonderes Interesse weckte das Kindersicherheitshaus Graz – die Bärenburg. Es dient als Schulungszentrum, Drehscheibe, Treffpunkt und Gesicht des Vereins „Große schützen Kleine“. Nach langjähriger Planung, pädagogischer Konzeptarbeit und Neubau des Hauses ist es nun voll mit Besuchergruppen ausgelastet. Es hat eine hohe Reputation und ist zum Aushängeschild für „Große schützen Kleine“ geworden. Nicht nur ein tatsächlicher Besuch im Kindersicherheitshaus Graz lohnt sich – zur Sensibilisierung für Unfallgefahren im häuslichen Bereich bietet sich auch ein virtueller Rundgang an, fachlich und technisch eindrucksvoll: http://gr000282.host.inode.at/baerenburg/baerenburg_empfang.html

Der internationale Austausch wurde als inspirierend und horizonterweiternd wahrgenommen und deshalb die Fortsetzung des Netzwerktreffens im ein- oder zweijährigen Turnus vereinbart. Ein besonders herzlicher Dank geht an Österreich für die Initiative, Planung und Organisation dieses ersten Treffens!

5. Loom Bänder sind eine Gefahr für Kleinkinder

Berichte von Verletzungen mit den kleinen Gummiringen haben dazu geführt, dass in den USA und England Schulen bereits erste Verbote ausgesprochen haben. In der Schweiz warnen Kinderärzte vor den dort "Gümmelis" genannten Freundschaftsbändern. Doch was sind Loom Bänder und welche Gefahren stecken hinter ihnen tatsächlich?

Sie werden aus bunten Gummiringen gewebt. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Sie sind mittlerweile weltweit der Renner des Jahres. Vor allem Kinder und Jugendliche knüpfen aus quietschbunten, kleinen Gummis Freundschaftsbändchen und verschenken und tauschen sie.

Umweltschützer warnen, dass die Silikon-Produkte nicht recycelbar sind. Zudem können sie von Kleinkindern verschluckt werden. Schlimmstenfalls besteht dann Erstickungsgefahr. Es ist daher ratsam, ältere Geschwisterkinder darauf hinzuweisen, weder einzelne Ringe noch fertige Schmuckstücke herumliegen zu lassen.

Toxikologen warnen vor Weichmachern (Phthalaten), die sich durch Speichel aus den Gummiringen lösen können.  Auch wenn die Stiftung Warentest in einem aktuellen Schnelltest bei keinem der geprüften Bänder gesundheitsgefährdende Phthalate oder PAK nachweisen konnte, lassen sich diese Ergebnisse nicht generalisieren. Sie beziehen sich lediglich auf sechs untersuchte Bänder. In einem aktuellen Produktrückruf weist RAPEX, das europäische Schnellwarnsystem auf die Loom Bänder des Herstellers PMS hin. Diese „Loom Charms“ werden wegen einer Schadstoffbelastung vom Markt zurückgerufen.

Loom Bänder sind als Spielzeug einzustufen und müssen den Anforderungen der europäischen Spielzeugrichtlinie und den zugehörigen Normen entsprechen. Sie sollten demnach eine CE-Kennzeichnung aufweisen. Generell ist es beim Kauf von Spielzeug zu empfehlen, darüber hinaus auf das GS-Zeichen zu achten, denn es garantiert geprüfte Sicherheit durch unabhängige Prüfstellen. Bei den Freundschaftsbändchen gibt es aber bisher keine Kaufprodukte mit GS-Zeichen.

Letztlich sind die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst gefragt, auf hochwertige Qualität zu achten und mit Kindern über Gefahren, die von den Freundschaftsbändchen ausgehen können, zu sprechen. Riechen die Bändchen beim Öffnen der Verpackung extrem unangenehm, kann das ein Hinweis auf Schadstoffe sein. Bewahren Sie die Bänder für Kinder unter drei Jahren unzugänglich auf.

Diskutieren Sie in unserem Forum mit und berichten Sie von Ihren Erfahrungen mit den Looms unter: http://forum-kindersicherheit.de/viewtopic.php?f=43&t=5793

6. Mit neuer „Online-Kinderecke“ Kinderbeteiligung umsetzen

Kinder haben ein Recht auf Sicherheit – daran erinnert uns das 25jährige Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November.

Damit Kinder sich mit ihren Sicherheitsfragen und -themen aktiv einbringen können, wird die BAG auf ihrer Internetseite einen neuen Kinderbereich etablieren. Mit Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit entsteht aktuell ein inhaltliches, didaktisches und interaktives Konzept für diese „Kinderecke“. Ziel ist es, die Webseite um ein neues Modul für die Zielgruppe „Kinder im Grundschulalter“ zu erweitern.

Bei dem Kindermodul wird u.a. auf Lernspiele und Ideen der BAG-Kinderausstellungen sowie auf die Mal- und Erlebnishefte zurückgegriffen. Diese werden grundlegend überarbeitet und mit den modernen multimedialen Möglichkeiten einer Homepage weiterentwickelt. Das Kindermodul hat das Ziel,

  • Kinder spielerisch für Unfallrisiken im Haushalt und in der Freizeit zu sensibilisieren
  • attraktiv und altersgerecht Wissen zur Kindersicherheit zu vermitteln
  • Kindern eine kreative Auseinandersetzung mit Unfallthemen zu ermöglichen
  • Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen und sie zu beteiligen, indem sie mit der BAG in den Dialog treten können
  • über neue Produkte, von denen eine akute Gesundheitsgefahr ausgehen kann, zu informieren und zu vermitteln, wie man diese sicher verwenden kann.

Das Onlineangebot soll so gestaltet sein, dass es auch auf öffentlichen Veranstaltungen (Kindersicherheitstage, Aktionstage, Tag der Offenen Tür etc.) als anziehender Aktionsstand für Kinder eingesetzt werden kann.

Ihre Anregungen nehmen wir hierbei gerne auf: projekte(at)kindersicherheit.de. Ideen von Kindern sind besonders willkommen!