Zum Inhalt springen |

Logo der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V.
Inhalt drucken
InitiativenKindersicherheitstagAusstellungenKiTa und SchuleQualifizierungsmaßnahmenWettbewerbe
Logo des Kinderischerheitstages 2001
Aktionen > Kindersicherheitstag > Kindersicherheitstag 2001 > Hintergrund

Kindersicherheitstag 2001: Gefahren mit Feuer und Wasser

ausführliche Expertise:
“Unfälle durch thermische Verletzungen im Kindesalter” (pdf-Format, 1,6 MB)*

Kurzdarstellung: “Unfälle durch thermische Verletzungen”

Dr. Gabriele Ellsäßer, Landesgesundheitsamt Brandenburg im LASV

Zu den thermischen Verletzungen gehören einerseits Unfälle durch Feuer und Flammen (einschließlich Rauchvergiftungen), andererseits Unfälle durch Verbrennungen oder Verbrühungen durch Hitze und heiße Substanzen. Die schwersten Unfallfolgen haben Brände. Kleine Kinder sind am meisten gefährdet, da sie bei einem Wohnungsbrand nicht wissen, wie sie sich am besten retten können. Schon über 52° Celsius heißes Wasser schädigt die Haut so sehr, dass Brandblasen entstehen können. Der Inhalt einer Tasse heißen Tees oder Kaffees kann bis zu 30 % der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes verbrühen!

Deutschlandweit nehmen seit 1991 die tödlichen thermischen Verletzungen bei Kindern unter 15 Jahren kontinuierlich ab (1991: 106 Todesfälle, 1999: 46 Todesfälle). Entscheidend beigetragen haben hier eine verbesserte Rettungsmedizin bzw. medizinische Versorgung und höhere Sicherheitsstandards im Haushalt. Jedoch ist jeder tödliche Unfall durch Brand oder Verbrühung ein Unfall zu viel. Denn gerade thermische Verletzunglassen sich durch Prävention weitgehend vermeiden. Jedoch ist dies nur die Spitze des Eisberges. Denn auf eine tödliche thermische Verletzung kommen ca. 144 schwer verletzte Kinder. Verbrennungen und Verbrühungen ziehen besonders schwere Verletzungsfolgen nach sich mit oft schwersten psychischen und funktionellen Beeinträchtigungen. Viele Kinder haben ein Leben lang sichtbare Narben und werden von ihrer Umgebung gemieden.

Thermische Verletzungen sind wegen ihrer Schwere und ihrer erheblichen Folgen (lebenslange Behinderung) ein vorrangiges Gesundheitsproblem. Sie haben nicht nur weitreichende individuelle, sondern auch soziale und ökonomische Folgen. Die Folgekosten für die öffentliche und private Unfallversicherung, die Kranken-, die Renten- und die Pflegeversicherung sind immens.

Zur Datenlage

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien ist die Datenlage zu Verletzungen im Kindes- und Jugendalter in Deutschland lückenhaft. Es besteht kein Register über Verletzungen, das - ähnlich dem Krebsregister - das Verletzungsgeschehen nach Unfallarten und -folgen darstellt. Somit verfügen wir in Deutschland über keine Informationen zur Häufigkeit von thermisch verletzten Kindern. Nur über thermische Verletzungen mit Todesfolge gibt es genauere Informationen d.h. auch zu den Ursachen (Todesursachenstatistik). Jedoch ist dies nur die "Spitze des Eisberges". Ebenso sind die Daten zu schweren thermischen Unfällen (Krankenhausdiagnosestatistik), die eine Krankenhausbehandlung notwendig machen, nur begrenzt aussagefähig, da weder der Unfallort noch die Unfallursachen dokumentiert werden. Analysen zum Unfallmechanismus von thermischen Verletzungen gibt es in Deutschland nur über einzelne klinische Fallstudien.

Thermische Verletzungen mit Todesfolge

1998 und 1999 starben allein 47 bzw. 46 Kinder. Über 90 % der tödlichen thermischen Unfälle sind Brände in Privatwohnungen. Hauptrisikogruppe sind Kinder unter 5 Jahren (1999: 26 Todesfälle) und hier sind Brände die zweithäufigste Ursache bei den tödlichen Heim- und Freizeitunfällen.

Thermische Verletzungen ohne Todesfolge

Ca. 6.900 Kinder mussten 1999 in einem Krankenhaus behandelt werden. Säuglinge und kleine Kinder unter 5 Jahren sind mit einem Anteil von etwa 70% an allen thermischen Verletzungen von Kindern (<15 Jahre) am stärksten gefährdet. Dies ist seit 1993 unverändert.

Die mittlere Krankenhausverweildauer liegt bei den kleinen Kindern unter 5 Jahren bei ca. 9 Tagen. Die Verletzungsfolgen sind häufig wegen Narben oder funktionellen Beeinträchtigungen schwer und machen eine lange Nachsorge notwendig. Eine Fallstudie an der Kinderchirurgischen Klinik des Universitätsklinikum in Mainz von insgesamt 348 thermisch verletzten Kindern (Zeitraum 1989 bis 1998) stellte folgende der häufigsten Unfallursachen fest: das Übergießen der Kinder mit heißen Flüssigkeiten wie Wasser für Tee und Kaffee, Suppe, Inhalierflüssigkeit (72 %), Kontakt zu heißen Objekten wie Herdplatte oder Ofen (40 % ) und Flammen (7 %).

Drei von vier Kindern waren 4 Jahre alt. Die mittlere Verweildauer betrug 18 Tage für den Grad I und II der Hautschädigung (59 % der Kinder) und 28 Tage für Grad IIb und III (41 % der Kinder). Bei einem Pflegesatz von 760 DM (Stand 10/99) betrugen die durchschnittlichen Kosten pro Jahr 583.845,94 DM.

Unfälle durch Verbrühen stehen in engem Zusammenhang mit der sozialen Lage der Familien. Die Einschulungsuntersuchungen von Kindern im Land Brandenburg zeigten eine höhere Rate an Verbrühungsunfällen bei Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus im Vergleich zu Familien mit einem hohen Sozialstatus.

Weshalb Prävention?

Thermische Verletzungen sind prinzipiell vermeidbar. Da die typischen Gefahrensituationen insbesondere für das Säuglings- und Kleinkindalter bekannt sind, können Eltern gut aufgeklärt werden, wie diese wirksam zu vermeiden sind: beim Benutzen von Elektrowasserkochern, das Elektrokabel nicht herunterhängen zu lassen oder das Abschirmen der Herdplatten durch ein Herdschutzgitter. Der Informationsbedarf ist hier besonders groß, wie eine Befragung von Eltern (n=1.119, 65 %) in Bremen 1999 zeigte. Nur 14,5 % der Kinderhaushalte benutzten einen Herdschutz (Zimmermann 2000). Brände können durch die Installation von Rauchdetektoren frühzeitig erkannt werden. In vielen Ländern ist die Installation von Rauchdetektoren auch in privaten Haushalten bereits Sicherheitsstandard.

* Zum Lesen der pdf-Dateien benötigen Sie den Acrobat Reader, den Sie hier kostenlos downloaden können.

zurück zur Übersicht


SeitenanfangBundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V., Heilsbachstr. 13, 53123 Bonn, info@kindersicherheit.de