Mutausbruch - füreinander stark machen

Logo PKVProjekttitel: "Mutausbruch - füreinander stark machen”

Projektförderer: Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV)

Projektlaufzeit: März 2020 – März 2024

 

Hintergrund

Im Kinderalltag spielt die Kita häufig eine prägende Rolle. Diese soll Kindern einen sicheren Raum bieten, sich gut zu entfalten und individuell und entwicklungsgerecht begleitet zu werden. Kinder können dort zahlreiche Lebenskompetenzen erwerben und gerade im Miteinander grundlegende Erfahrungen im Umgang mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer sammeln.

Durch die Bundesrahmenempfehlung zum Präventionsgesetz wird das Setting Kindertagesstätte zu einem Dreh- und Angelpunkt von Prävention und Gesundheitsförderung. Je früher solche Maßnahmen im Leben eines Menschen beginnen, desto wirksamer sind sie für das spätere Leben. Auch bei der Gewaltprävention spielt die Kindertagesstätte eine wichtige Rolle, denn hier werden Grundlagen für einen sozialkompetenten Umgang mit Emotionen und Aggressionen geschaffen. Ebenso zeigt sich, dass in der Kindheit häufig bereits die Grundsteine für aggressives und gewalttätiges Verhalten gelegt werden. Geschulte pädagogische Fachkräfte können zudem die Entwicklung sozialer Kompetenzen fördern und gleichzeitig dazu beitragen, dass Gewalthandlungen im Vorfeld bereits vermieden oder frühzeitig entdeckt und Kinder besser davor geschützt werden können.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Thema Gewalt und Gewaltprävention in Kindertagesstätten jedoch kaum beleuchtet. Es gibt keine Verlaufsstatistiken gewaltbedingter Vorfälle in Kitas. Es existieren einige entwicklungsorientierte Präventionsprogramme, deren Wirksamkeit jedoch mit unterschiedlicher wissenschaftlicher Aussagekraft nachgewiesen ist. Über Fehlverhalten und Gewalt, die von Seiten der Fachkräfte ausgehen, ist nur wenig bekannt. Außerdem fehlt es bisher an einem Überblick über vorhandene Maßnahmen, Akteure sowie der Verbreitung der Maßnahmen.

Ziele des Projekts

Vor diesem Hintergrund haben die BAG und die PKV das Projekt Mutausbruch - füreinander stark machen initiiert. Das Projekt hat zum Ziel, Lücken im Bereich der Gewaltprävention in Kindertagesstätten aufzudecken und Maßnahmen zu entwickeln, die diese Lücken schließen. 

Zur Entwicklung von Maßnahmen wurden folgende Projektschritte durchgeführt: Zunächst wurde ein wissenschaftlicher Bericht erstellt, der die aktuelle Lage zu bereits bestehenden Maßnahmen und Angeboten im Themengebiet Gewaltprävention in Kindertagesstätten zusammenfasst. Da dieser Bericht große Handlungsbedarfe im Bereich des (grenz-)verletzenden Verhaltens von Fachkräften aufgedeckt hat, wurde ein Konzept entwickelt, das sich auf verletzendes Verhalten ausgehend von pädagogischen Fachkräften fokussiert. In einem nächsten Schritt wurde eine Umfrage von Kitaleitungskräften durchgeführt. Die Leitungspersonen wurden nach ihren Bedarfen zu gewaltpräventiven Maßnahmen befragt. Nicht zuletzt wurden auch pädagogische Fachkräfte, Trägervertrungen und Fachberatungen im Rahmen von Fokusgruppen hinzugezogen, um das Konzept auf Umsetzbarkeit zu prüfen. 

Projektbegleitend wurde ein Expertinnen- und Expertengremium gebildet, das aus Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und Praxis besteht. Die Empfehlungen des Gremiums fließen kontinuierlich in das Projekt ein.

Auf Basis dieser Ergebnisse wird nun ein Programm entwickelt, das Kitas dabei begleitet, Lösungen und Handlungsstrategien zu entwickeln, um herausfordernde Situationen im pädagogischen Alltag zu meistern und verletzendes Verhalten gegenüber Kindern zu vermeiden.  Anliegen ist es, die Einrichtungen darin zu unterstützen, bereits bestehende Ansätze, Methoden, Ideen und Gewaltschutzkonzepte weiterzuentwickeln und umzusetzen. Damit verfolgen wir das Ziel Kita-Settings und alle dort beteiligten Akteure – Fachkräfte, Leitungskräfte, Eltern und Kinder – zu stärken.

Das Programm besteht aus mehreren Modulen: der Organisationsbegleitung und -beratung von Kitas, der Fortbildung des Fachpersonals, der Begleitung der Teams bei der Umsetzung des Themas und der Stärkung der Kinder im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention. Zentral ist dabei die enge Einbindung aller im Setting Kita beteiligten Akteure. Deren Sichtweisen, Erfahrungen und Wünsche werden bei den Bedarfsanalysen, der Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen sowie deren Weiterentwicklung als zentrales Element des Programms berücksichtigt.

In einem nächsten Schritt wird das Programm mit allen Beteiligten von Kitas erprobt, evaluiert und weiterentwickelt. Hierzu startet ab Mai 2022 eine Pilotphase mit 25 Kindertagesstätten in den Regionen Berlin/Brandenburg, Koblenz/Bonn und Freiburg/Hochschwarzwald. Die Kindertagesstätten  werden über den gesamten Prozess von rund 18 Monaten durch unser Projektteam begleitet und unterstützt.

Die Entwicklung und Umsetzung erfolgt in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Freiburg, der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule Fulda, der Europäischen Fachhochschule Rhein/Erft GmbH und Univation - Institut für Evaluation Dr. Beywl & Associates GmbH.

Weitere Informationen zum Projekt