31.10.2016

2016 - 03 - Newsletter

2016 - 03 - Newsletter

Der Deutsche Bundestag hat Mitte letzten Jahres das Präventionsgesetz verabschiedet. Durch das Präventionsgesetz sollen die Grundlagen für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung – für alle Altersgruppen und in vielen Lebensbereichen gestärkt werden. Prävention und Gesundheitsförderung sollen dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Als BAG fragen wir uns, ob die Kindersicherheit davon auch profitieren kann? Bisher scheint vor allem an den Strukturen gearbeitet zu werden, denn neue Wege oder Türen haben sich für uns leider bisher nicht gezeigt. Wir appellieren an die Verantwortlichen, die Kinder im Heim- und Freizeitbereich nicht zu vergessen. Wo es um Gesundheitsförderung und -prävention geht, müssen Kinder ganz vorne stehen. 

Unseren Newsletter zum Download erhalten Sie hier.

1.	Geschäftsführerin Martina Abel verlässt die BAG

Im Namen des Vorstands der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. teilen wir Ihnen mit, dass uns unsere langjährige Geschäftsführerin Martina Abel, zum 31.8.2016 ihre Tätigkeit beendet hat.

Frau Abel hat die BAG verlassen, weil sie sich beruflich neu orientieren wollte. eine stabile finanzielle Basis der BAG und die Sicherung der Stellen durch adäquate Projekte abzusichern, hat ihre Entscheidung für eine berufliche Veränderung sicherlich mitbedingt. 

Niemand hat der BAG so sehr ein Gesicht verliehen, wie es Frau Abel als Geschäftsführerin der BAG in den letzten 15 Jahren getan hat. 

Wir wünschen Frau Abel für ihren weiteren Weg alles Gute. Wir bedanken uns für ihr großes Engagement, ihre kompetente Leitung, ihre Verlässlichkeit und Kreativität bei der Entwicklung neuer Projekte und Kooperationen. 

Vorerst hat der Vorstand Inke Ruhe als kommissarische Geschäftsführerin eingesetzt. Frau Ruhe wird mit ihrer langjährigen Erfahrung diese Aufgabe in bewährter Weise ausfüllen und steht Ihnen für alle Fragen zu Vereinsangelegenheiten und Projekten zur Verfügung. 

2.	Sicherheits-Poster für Flüchtlingsunterkünfte

Wie wir bereits im vorherigen Newsletter berichtet haben, hat die BAG im Rahmen eines Projektes mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die Möglichkeit bekommen, Informationsmaterial für Flüchtlinge bzw. Flüchtlingsunterkünfte zu entwickeln, um Kinderunfälle zu verhindern. 

Als Ergebnis des Projektes hat die BAG ein Poster erstellt, mit dem Fachkräfte, Eltern, Bewohnerinnen und Bewohner auf vier typische Unfallgefahren in Flüchtlingsunterkünften hinweisen können: 

  • Sturz aus dem Fenster
  • Sturz aus dem Etagenbett
  • Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten (Wasserkocher) bzw. Verbrennen an heißen Gegenständen (Kochtopf)
  • Vergiftungen durch Haushaltschemikalien.

Zu diesen Unfallgefahren wurden Illustrationen angefertigt, die darstellen, wie es zu Unfällen kommt und wie diese Gefahren vermieden werden können. 

Das Sicherheitsposter für Flüchtlingsunterkünfte kann auf der Webseite der BAG www.kindersicherheit.de heruntergeladen oder über den Bestellservice der BZgA kostenfrei bestellt werden.

Weitere Informationen:

http://www.kindersicherheit.de/service/bestellservice.html

http://www.bzga.de/infomaterialien/?sid=-1&idx=2697

3.	Neues Projekt: „Digitale Medien zum sicherheitsbewussten Umgang mit gefährlichen Haushaltschemikalien“

Die Mediennutzung von Verbraucherinnen und Verbrauchern, insbesondere der jungen Elterngeneration, hat sich massiv verändert. Social Media, Video- und Austauschplattformen spielen bei der Informationsbeschaffung der jungen Elterngeneration eine herausragende Rolle. 

Diesen veränderten Bedingungen stellt sich die BAG in einem neuen Projekt „Digitale Medien zum sicherheitsbewussten Umgang mit gefährlichen Haushaltschemikalien“.

Die Unsicherheit in Bezug auf Vergiftungsgefahren ist bei Eltern groß. Anrufe besorgter Eltern, deren Kind Spülmittel, Waschmittel oder Rohrreiniger geschluckt hat ,sind bei den Giftinformationszentralen keine Seltenheit. Das sind Unfälle, die sich leicht vermeiden ließen!

Mit Hilfe der neuen digitalen Medien werden Eltern im Rahmen dieses Projektes für den sicherheitsbewussten Umgang mit gefährlichen Haushaltchemikalien sensibilisiert, damit sie z.B. schon beim Kauf darauf achten, dass die Verpackungen von giftigen Haushaltschemikalien kindergesichert sind. Sie werden mit den Gefahrensymbolen vertraut gemacht werden, um giftige von weniger giftigen Produkten unterscheiden zu können. Es wird auch um die  dierichtige Lagerung von Haushaltschemikalien gehen und um das hohe Risiko, dass mit dem Umfüllen von Kanistern in handliche Getränkeflaschen verbunden ist. 

Die Sicherheitsbotschaften werden in kurzen Video-Spots oder animierten Bildern mit Unterstützung einer externen Agentur konzipiert und produziert. Zum Projektende werden sie über Social Media wie Facebook, Twitter und Google+ angesehen und verbreitet.

Das Projekt "Digitale Medien zum sicherheitsbewussten Umgang mit gefährlichen Haushaltschemikalien" baut inhaltlich auf den Erkenntnissen und Ergebnissen des Projektes „Kinder und Haushaltschemikalien – Mehr Schutz durch sichere Verpackungen“ auf. Es wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) über zwei Jahre gefördert. 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie unter: 

http://www.kindersicherheit.de/projekte/digitale-medien.html

4.	Frische Pilze aus dem Wald sammeln: Lecker, aber Vorsicht!

Für einen Laien und erst recht für Kinder ist es schwer, einen giftigen Pilz von einem ungiftigen  zu unterscheiden. Zwar sind die meisten Pilze, die bei uns im Wald wachsen, nicht giftig, jedoch kann es beim Verzehr von giftigen Pilzen schon nach kurzer Zeit zu lebensbedrohlichen körperlichen Reaktionen kommen. 

„Bevor man selbst auf Sammeltour geht, sollte man sich unbedingt erst zusammen mit einer Pilzfachfrau oder einem Pilzfachmann auf die Suche begeben“ rät Inke Ruhe von der BAG. Es gibt verschiedene Anbieter, u.a. Volkshochschulen, die Pilzseminare und Pilzexkursionen in den Wald anbieten. Vorteile gegenüber der Bestimmung mit einem Buch ist, dass der Experte anhand der gefundenen Pilze genau beschreiben kann, woran man ungiftige von giftigen Pilzen unterscheiden kann. Im letzten Herbst wurden mehr als 50 Menschen mit Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz registriert, die meisten von ihnen Flüchtlinge aus Syrien. Ein syrischer Jugendlicher ist sogar gestorben, nachdem er versehentlich Knollenblätterpilze gegessen hatte. In ihrem Heimatland scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnlich sieht, vermuteten Ärzte in Hannover. 

Auch bei uns wird der extrem giftige Grüne Knollenblätterpilz häufig mit dem Champignon verwechselt, weil seine Hutfarbe nicht immer grün, sondern auch weiß sein kann. Schon ein Teil eines Knollenblätterpilzes kann bei einem Kind zum Tode führen. 

Wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung ist, zeigt sich auch darin, dass sich in der Herbstzeit regelmäßig  die Anrufe in den Giftnotrufzentralen häufen. 

Wer nach einer Pilzmahlzeit unter Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen leidet, sollte sofort den Notarzt rufen oder sich an den Giftnotruf wenden. Reste der betreffenden Pilze sollten unbedingt aufgehoben werden, um sie ggf. bestimmen zu können. Telefonisch werden keine Pilzbestimmungen vorgenommen. Der Giftnotruf versorgt die Anrufer mit wichtigen Informationen zur Ersten Hilfe oder zu Pilzsachverständigen oder Fachärzten.

Weitere Tipps unter:

http://www.kindersicherheit.de/kinderunfaelle-vermeiden/artikeldatenbank/news/pilzsaison.html

5.	Erste Hilfe Broschüre – Überarbeitet und im neuen Look

Die Broschüre „Erste Hilfe – Unfälle mit Kindern“ der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. ist im September komplett überarbeitet und im neuen Look in seiner 10. Auflage erschienen.

Der schnelle Ratgeber für jeden Haushalt wird von der BAG seit dem Jahr 2000 herausgegeben. Die Broschüre ist seither mehrfach aktualisiert worden. Die Nachfrage nach diesem Ratgeber, der auf anschauliche Weise Grundlagen der Ersten Hilfe bei Kindern vermittelt, ist nach wie vor hoch. 

Dieses große Interesse ermutigt uns: Wir wollen, dass Kinder sicher groß werden und wir hoffen, dass die Broschüre dazu einen Beitrag leistet! Erste Hilfe setzt ein, wenn ein Kind bereits eine Verletzung erlitten hat. Hier ist es gut zu wissen, wie man durch kompetentes Handeln Unfallfolgen möglichst gering halten kann. Zugleich lenkt diese Broschüre aber auch den Blick auf gefährliche Situationen. Viele Gefahren können durch sicherheitsbewusstes Verhalten, durch sichere Produkte und kindgerechte Lebenswelten beseitigt oder zumindest entschärft werden. 

Die Neuauflage der Broschüre erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Industrieverbands Körper- und Waschmittel e.V. und der reer GmbH.

Nun auch erstmal als Flipbook bei issuu: 

https://issuu.com/kindersicherheit/docs/broschuere-erste-hilfe_final_090920

Oder wie gewohnt im Bestellservice unter: http://www.kindersicherheit.de/service/bestellservice.html

6.	„Five Stars“ – Auszeichnung für 15 Jahre Engagement im Zeichen von „Safe Kids“ geht an Martina Abel

Am 17.09.2016 trafen sich die Mitglieder von „Safe Kids Worldwide“ in Tampere, Finnland zu ihrer Jahreskonferenz. Die Vertreterinnen und Vertreter der 30 Mitgliedsnationen – darunter auch die BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. für Deutschland – stellten wirksame Maßnahmen und neue Programme zur Kinderunfallprävention vor. Im Fokus des Erfahrungsaustauschs standen erfolgreiche Kampagnen in den Bereichen „Social Media“ und „advokative Arbeit“.

Margie Peden, Verletzungsexpertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hob in ihrem Vortrag hervor, dass Information und Bildung zwar wichtige Bestandteile von Präventionsmaßnahmen sind, aber nicht alleine stehen dürfen. Präventive Wirkungen sind nur erreichbar, wenn auch andere Komponenten wie Gesetzgebung, Infrastruktur und Lebensumstände verändert werden. Unter politischer Führung sollte eine sektorenübergreifende Strategie eingesetzt werden.

Im Rahmen eines Projektwettbewerbs gewannen ausgewählte Länder Fördermittel für ihre Projekte. Diese wurden während der Konferenz bewertet und drei herausragende Initiativen ausgezeichnet: Vietnam erhält eine Förderung zur Verbesserung der Schulwegsicherheit für Kinder, die in Abendschulen unterrichtet werden. Israel wird bei einem Projekt unterstützt, das jugendliche Beduinen als Sicherheitsbotschafter in Schulen einsetzt. Diese Jugendlichen stärken in Form von Peergruppenarbeit die Sicherheitskompetenz ihrer Mitschüler. Brasilien gewinnt einen Förderbetrag für die Vermeidung von Erstickungsunfällen im häuslichen Bereich. In Brasilien ist die Zahl von Erstickungsunfällen kleiner Kinder sehr hoch. Bei der Prävention geht es insbesondere um die sichere Schlafumgebung von Säuglingen.

Im Rahmen der Konferenz wurden Martina Abel aus Deutschland und Sheira Kislev aus Israel für Engagement für Safe Kids“ in den letzten 15 Jahren die Auszeichnung „Five Stars“ verliehen. Wir gratulieren den beiden Ausgezeichneten!

Weitere Informationen zu der Konferenz:

https://www.thl.fi/en/web/injury-prevention/safety-2016