21.03.2016

2016 - 01 - Newsletter

Die gezielte Kommunikation mittels digitaler Medien ist ein Schlüssel für erfolgreiche Kinderunfallprävention – so ein Ergebnis aus der Fachtagung „Kinderunfallprävention Online“, die die BAG Anfang dieses Jahres veranstaltet hat. Auswertungen zum Nutzungsverhalten unserer Webseite lassen interessante Rückschlüsse auf wichtige Fragen der Kinderunfallprävention zu. So sind zum Beispiel Fragen nach der Aufsichtspflicht ein häufiger Anlass, uns im Internet zu besuchen. Wenn Sie zu diesen Fragen diskutieren möchten, laden wir Sie in unser Internetforum ein.

Zugleich möchten wir Sie mit dieser Ausgabe auch einladen, sich am Kindersicherheitstag 2016 aktiv zu beteiligen! Wir freuen uns, wenn viele Partner mitmachen!

Unseren Newsletter zum Download erhalten Sie hier.

1. Ankündigung Kindersicherheitstag 2016: „Kindersicherheit ist bunt“

Am 10. Juni 2016 ist in Deutschland Kindersicherheitstag – wie jedes Jahr. Die BAG hat in diesem Jahr mit dem Motto „Kindersicherheit ist bunt“ eine breite Themenstellung gewählt, um möglichst vielen Kooperationspartnern die Ausrichtung von „eigenen“ Aktionen vor Ort zu erleichtern und sie zum Mitmachen zu gewinnen.

Unter diesem Motto können regional ganz unterschiedliche Akzente gesetzt werden – ausgewählte Unfallarten, Erziehungsfragen, Förderung von Risikokompetenz oder Schaffung sicherer Bedingungen. Vor allem beinhaltet „Kindersicherheit ist bunt“ eine positive Ausrichtung: Kindersicherheit ist lebendig und macht Spaß. Sie besteht nicht aus Verboten, sondern bietet attraktive Inhalte rund um Sicherheitsförderung und Unfallverhütung. Gemeinschaftlich können sich alle Partner beteiligen, denen das Wohl von Kindern am Herzen liegt.

Ob in kommunalen Diensten, Gesundheitseinrichtungen, Familienzentren oder bei Stadtteilfesten: Kindersicherheitstage sind auf lokaler Ebene gut durchzuführen. Um die Vorbereitung effektiv zu gestalten und zum besseren Gelingen beizutragen, wird die BAG Arbeitshilfen für die Organisatorinnen und Organisatoren von regionalen Kindersicherheitstagen bereitstellen. Mit diesen Materialien sollen alle, die „Unfallverhütung und Sicherheit“ als

Themen bearbeiten möchten, unterstützt werden.

Das Aktionspaket umfasst:

  • ein Poster zur Ankündigung des Kindersicherheitstages,
  • Hintergrundinformationen und Sicherheitsbotschaften zu verschiedenen Unfallarten und deren Prävention,
  • Anregungen zur Durchführung eines Projektes vor Ort, wie z.B. Aktionsideen, Themenblätter, Muster-Pressemitteilung,
  • Spiele, Rätsel und Materialien für Kinder, die die Sensibilität, die motorischen Fähigkeiten und die Selbstwirksamkeit fördern,
  • Infomedien und Tipps für Eltern,
  • weiterführende Kontakte und Links.

Die Arbeitshilfen können ab dem 20. April unter www.kindersicherheit.de heruntergeladen werden. Alle Akteure, die sich mit Veranstaltungen am Kindersicherheitstag 2016 beteiligen möchten, können sich in den Veranstaltungskalender der BAG aufnehmen lassen.

Wir unterstützen Sie gerne: Senden Sie uns eine E-Mail an koordination(at)kindersicherheit.de 

2. Kindersicherheit in Flüchtlingsunterkünften

Viele Flüchtlinge verlieren ihr Leben auf der Flucht in die Freiheit, unter ihnen auch zahlreiche Kinder. In der Freiheit angekommen, z.B. in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft, fühlen sie sich sicher.

Doch leider haben, den Presseberichten zufolge, schon mindestens fünf Kinder im letzten halben Jahr ihr Leben bei einem Unfall in einer Flüchtlingsunterkunft verloren. Sie sind aus dem Fenster gestürzt oder von umkippenden Möbeln bzw. schweren Gegenständen erschlagen worden. Auch aus den Unfallambulanzen erhalten wir Berichte von typischen Unfällen. Die BAG hat im Rahmen eines Projektes mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die Möglichkeit bekommen, Informationsmaterial für die Zielgruppen zu erstellen, um in der Prävention von Kinderunfällen in Flüchtlingseinrichtungen aktiv zu werden.

Vorab besuchte die BAG mehrere Flüchtlingsunterkünfte und schaute nach Unfallgefahren für Kinder. Die Bedingungen sind in allen Unterkünften unterschiedlich, sowohl in Bezug auf bauliche Situation, als auch in Bezug auf die Einrichtung, Ausstattung, Leitung und Organisation. In allen Einrichtungen konnten wir aber ein hohes Maß an Engagement und Unterstützungsbereitschaft feststellen. Neben den vielen anderen Themen und Problemen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort zu bearbeiten und bewältigen sind, war das Interesse und die Bereitschaft zur Mitwirkung und Unterstützung bei der Prävention von Kinderunfällen in Flüchtlingsunterkünften sehr groß.

Als Ergebnis des Projektes wird die BAG ein Poster entwickeln, mit dem Fachkräfte, Eltern, Bewohnerinnen und Bewohner auf die typischen Unfallgefahren in Flüchtlingsunterkünften hingewiesen werden. Die vier Gefahren, die in Bildern dargestellt werden sollen, sind:

  • Sturz aus dem Fenster
  • Sturz aus dem Etagenbett
  • Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten (Wasserkocher) bzw. Verbrennen an heißen Gegenständen (Kochtopf)
  • Vergiftungen durch Haushaltschemikalien.

Zu diesen Unfallgefahren wurden Illustrationen angefertigt, die darstellen, wie es zu Unfällen kommt und wie diese Gefahren vermieden werden können. Die Pretests der Illustrationen mit Flüchtlingsfamilien aus verschiedenen Herkunftsländern sind bereits abgeschlossen, das Poster befindet sich in der Entwicklung. Sobald es verfügbar ist, werden wir unter www.kindersicherheit.de darüber berichten.

In der Fachdatenbank Kindersicherheit sind zahlreiche Medien und Materialien in verschiedenen Sprachen, in einfacher Sprache oder auch ohne Text zu finden, die sich für die unfallpräventive Arbeit in Flüchtlingsunterkünften oder mit Migrantinnen und Migranten anbieten: www.bzga.de/kindersicherheit

3. Rahmenplan Kindersicherheit 2011-2016 im letzten Laufjahr – Evaluation im Fokus

Ab April 2016 führt die BAG qualitative Expertenbefragungen zur Wirkung des Rahmenplans Kindersicherheit 2011-2016 durch.

Der Rahmenplan ist die Gesamtstrategie der BAG zur Reduzierung von Kinderunfällen. Mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) werden im Rahmen dieser Strategie zahlreiche unfallpräventive und sicherheitsfördernde Maßnahmen umgesetzt. Altersgruppenbezogene Unfallverhütung, Prävention in den Lebenswelten der Kinder, Förderung der Risikokompetenz bei Kindern und bei Eltern, Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte und zielgruppenspezifische Maßnahmen für sozial Benachteiligte sind die Leitideen des Rahmenplans. Dies geschieht in Kooperation mit zahlreichen Partnern in Form einer konzertierten Aktion.

Was in diesen Aufgabenfeldern in den letzten fünf Jahren erreicht wurde, wie sich das Unfallgeschehen entwickelt hat und wie die BAG ihre Vernetzungsfunktion ausgefüllt hat, ist Gegenstand der Evaluation des Rahmenplans. Neben der Auswertung von Kennzahlen, Daten und Dokumenten wird die BAG Experten aus den verschiedenen Arbeits- und Kooperationsbereichen befragen.

Die Bewertung ihrer Arbeit ist für die BAG dabei ebenso wichtig wie das Bestreben, aus den Ergebnissen Zukunftsperspektiven für die Fortsetzung des Engagements für die Kindersicherheit in Deutschland abzuleiten. Der Evaluationsbericht zum Rahmenplan Kindersicherheit 2011-2016 wird Ende 2016 vorgelegt. 

Informationen zum Rahmenplan und zu den Projekten der BAG sind zu finden unter: http://www.kindersicherheit.de/projekte.html

4. Safety 2016 – Von der Forschung zur Umsetzung

Vom 18.-21.09.2016 findet in Tampere, Finnland, die Konferenz „Safety 2016“ statt. Bei der internationalen Veranstaltung wird die Frage im Zentrum stehen, wie Forschungsergebnisse in die Praxis umgesetzt werden können – sei es zu Risikogruppen, zu technischen Lösungen oder zu lebenslanger Gesundheits- und Sicherheitsförderung.

Verletzungsprävention hat in Skandinavien eine lange Tradition: Die von dort ausgehende „Safe Communities“-Bewegung mit präventiven Hausbesuchen und breiter Verfügbarkeit von Sicherheitsartikeln hat zu ausgesprochen niedrigen Unfallraten, auch bei Kindern, geführt. Diese „Sicherheitskultur“ zu verbreiten, ist ein Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die das alle zwei Jahre stattfindende internationale Expertentreffen unterstützt. Im Vorfeld der „Safety 2016“ halten die Mitglieder des Netzwerks „Safe Kids Worldwide“ zudem ihre Jahresversammlung ab.

Die BAG wird sich bei beiden Veranstaltungen aktiv einbringen. Sie wird u.a. die Ergebnisse unserer nationalen Kindersicherheitstage vorstellen. Ziel der Treffen ist es, sich über erfolgreiche unfallpräventive Maßnahmen, Studienergebnisse, neue gesellschaftliche Trends und Produkte aus dem Lebensumfeld von Kindern auszutauschen. Durch internationale Kooperation und Einflussnahme soll der Kinderunfallprävention weltweit mehr Schlagkraft verschafft werden.

Mehr zur Konferenz, zu den Themen und beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

5. Aufsichtspflicht – Eltern im pädagogischen Dilemma?

Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen. Sie müssen dabei die wachsenden Fähigkeiten des Kindes zu selbständigem und verantwortungsbewusstem Handeln berücksichtigen. So lautet einer der Grundsätze der elterlichen Sorge, die der Gesetzgeber in § 1626 BGB formuliert.

Die meisten Eltern sind sich ihrer Aufsichtspflicht gegenüber ihren minderjährigen Kindern bewusst. Aber in welchem Maße sie diese Verantwortung ausfüllen müssen, ist für sie nicht immer eindeutig. So sehen sie sich in ganz alltäglichen Situationen im Dilemma zwischen Kontrolle und Freiheit, wie typische Fragen aus unserem Elternforum zeigen:

  • Ab welchem Alter darf ich mein Kind allein zu Hause lassen?
  • Darf ich die Aufsicht auf ältere Geschwister übertragen?
  • Wann darf das Kind alleine in das Schwimmbad gehen?

Ganz klar: Es gibt keine allgemein gültigen Regeln. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Eltern, dies richtig einzuschätzen.

Auch der Gesetzgeber sieht dieses pädagogische Dilemma und gibt eine – wenn auch für den Alltag wenig hilfreiche – Leitlinie vor: So liegt es an den Eltern zu beobachten und zu beurteilen, wie es um Risikobereitschaft, Gefahrenbewusstsein und um die Einhaltung von Absprachen bei ihrem Kind steht. Abzuwägen sind auch die individuellen Lebensbedingungen: Wohnung, Haus und Garten, die Wohnumgebung, der Straßenverkehr oder die Wege, die vom Kind bewältigt werden müssen.

Grundsätzliche Empfehlungen gehen dahin, Kinder unter drei Jahren ständig zu beaufsichtigen. Kinder zwischen vier und sechs Jahren dürfen schon 15-30 Minuten ohne Aufsicht sein. Für Kinder ab dem Schulalter kann dieser Zeitrahmen schrittweise vergrößert werden und z.B. können dann Einkäufe in der Umgebung ohne Kinder erledigt werden. Allerdings müssen die Persönlichkeit des Kindes, seine individuelle Entwicklung und mögliche Gefahren zu Hause dabei mit bedacht werden.

Wenn Eltern die Aufsicht auf andere übertragen, müssen sie sicherstellen, dass diese Person auch in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen. So sind ältere Geschwister, Freundes- oder Nachbarskinder leicht mit der Beaufsichtigung jüngerer Kinder überfordert. Für Babysitter gibt es spezielle Zertifikate, z.B. den „Babysitterführerschein“, den Kinder ab 14 Jahren erwerben können. Aber auch hier müssen die individuellen Gegebenheiten situativ unbedingt mit in Betracht gezogen werden.

Ein gesetzlich festgelegtes Mindestalter für den Schwimmbadbesuch gibt es nicht. Vielmehr ist es eine Frage der allgemeinen Aufsichtspflicht und der Reife und des Könnens des Kindes. Es gibt die Faustregel, dass der Schwimmbadbesuch erst allein erfolgen sollte, wenn das Kind sicher tauchen und mindestens 15 Minuten frei im tiefen Becken schwimmen kann. Das Mindestalter für einen Schwimmbadbesuch steht meist auch in der Schwimmbad-Ordnung des jeweiligen Schwimmbads.

Aufsichtspflicht ist und bleibt eine Gratwanderung mit einer Mischung aus Verantwortung, Vertrauen und Risiko, die jeder selbst treffen muss.

Mehr zum Thema finden Sie unter www.forum-kindersicherheit.de

6. Rückblick auf Fachtagung "Kinderunfallprävention Online"

Am 26.01.2016 fand in Berlin die Fachtagung "Kinderunfallprävention Online – neue Wege für Sicherheitsbotschaften" statt. Neben Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Gesundheitswesen, Pädagogik, Medien- und Kommunikationswissenschaften waren auch interessierte Studierende auf den Campus Virchow der Charité Universitätsmedizin gekommen um zu sehen, wie es gelingen kann, „Digitale Medien“ und „Verhütung von Kinderunfällen“ zusammenzubringen.

Nach der Begrüßung durch die Präsidentin der BAG Dr. Stefanie Märzheuser, den Grußworten von Emine Demirbüken-Wegner (Staatssekretärin für Gesundheit Berlin) und Dr. Heidrun Thaiss (Leiterin der BZgA), stellte der Medienexperte Thomas Feibel in seinem kurzweiligen Vortrag dar, dass man mit Multimedia nur sicher und gesund in die Zukunft blicken kann, wenn man die "Lesefähigkeit" der neuen Inhalte und Medien erlangt.

Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg zeigte in ihrem Vortrag, wie wichtig Abstimmung von Zielstellung, Zielgruppe und Informationsverhalten ist. Onlinemedien sind hinsichtlich ihrer Möglichkeiten vielfältig und kommen den Informationsstrategien unterschiedlicher Zielgruppen sehr entgegen, wobei Glaubwürdigkeit und eine adäquate Ansprache Voraussetzung sind.

Danach hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, in sich drei Foren konkreten Beispielen aus der Praxis zu widmen. In Forum A wurde sehr anschaulich und offen über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Kinderwebseiten und Apps zum Thema Unfallverhütung diskutiert. In Forum B wurden Blogs und Apps vorgestellt, mit denen man junge Eltern erreichen kann. Das Forum C richtete sich an Fachpersonen und wie sie Kompetenz in Kindersicherheit durch Portale, Datenbanken und E-Learning erlangen.

Martin Schumacher vom Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. zeigte im Abschlussvortrag an anschaulichen Beispielen, was qualitativ hochwertige von weniger hochwertigen Seiten unterscheidet. Viele Seiten weisen hinsichtlich medizinischer Qualität, Verständlichkeit und ihrer Unabhängigkeit deutliche Mängel auf. Festzuhalten bleibt, dass der niedrigschwellige Zugang durch das Internet viele Potenziale, aber auch Risiken und Raum für ungeprüfte, interessengeleitete und falsche Information bietet.

Auch wenn die Frage nach der Wirksamkeit der neuen Angebote offen blieb, schätzten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Informationsdichte und den Einblick, welche Akteure mit welchen Angeboten sich bereits um Kinderunfallverhütung bemühen.

Mehr zur Fachtagung „Kinderunfallprävention Online“ finden Sie unter: http://www.kindersicherheit.de/fachtagungen.html