16.03.2015

2015 - 01 - Newsletter

Die ersten warmen Tage konnten wir schon genießen. Jetzt steht in vielen Haushalten  der Frühjahrsputz an. Eine gute Gelegenheit, sich die Putzmittel noch einmal genauer anzuschauen: Welche sind gefährlich, wo werden sie gelagert und sind sie kindergesichert verschlossen? Das Thema kindergesicherte Verpackungen ist brandaktuell, da im Juni das neue globale Kennzeichnungssystem für Chemikalien umfassend eingeführt wird. Mehr dazu und zum Thema Gifte in Produkten finden Sie in dieser Ausgabe des Newsletters. Doch beginnen wollen wir mit dem ­diesjährigen Kindersicherheitstag, der das Thema „Kinder und Tiere“ in den Fokus rückt.

Unseren Newsletter als PDF erhalten Sie hier.

1. Kindersicherheitstag 2015 unter dem Motto „Kinder und Tiere. Sicher geht das!“

Am 10. Juni ist wieder Kindersicherheitstag. Der Aktionstag steht unter dem Motto „Kinder und Tiere. Sicher geht das!“.

Mit dem Kindersicherheitstag möchte die BAG die breite Öffentlichkeit über den richtigen Umgang mit Tieren und die Vermeidung von Verletzungsrisiken informieren. Dabei geht es auch um die Verantwortung, die Eltern und Betreuungspersonen Kindern und Tieren gegenüber haben. Der 10. Juni bildet mit einer Pressekonferenz in Bonn, in der Kinderaktionen und Begleitmaterialien zum Thema „Kinder und Tiere“ vorgestellt werden, den Auftakt für zahlreiche regionale Folgeaktivitäten.

Das Thema „Kinder und Tiere“ ist ein Thema mit hoher emotionaler Besetzung sowohl bei Eltern als auch bei Tierbesitzern. Tiere können als Begleiter, als Beschützer und soziale Lebewesen einen wichtigen Beitrag zur kindlichen Entwicklung leisten. Kinder können kompetent im Umgang mit Tieren werden, wenn ihnen die Gelegenheit gegeben wird, dies zu üben. Diese Lernerfahrungen können ein lebenslanger Gewinn für sie sein.

Tiere können aber auch die Verursacher von folgeschweren Verletzungen sein. Unzureichendes Wissen im Umgang mit dem Tier und über das Tier, fehlende Rücksichtnahme und mangelndes Verantwortungsbewusstsein sind Ursachen, über die die BAG am Kindersicherheitstag aufklären will.
Ein Novum für Deutschland ist die Bestandsaufnahme, welche Tiere bei Unfällen eine Rolle spielen und welche Verletzungsfolgen mit welcher Häufigkeit entstehen. Mit Unterstützung des BAG Fachbeirates „Epidemiologie“ werden diesbezügliche Zahlen zusammengetragen und aufbereitet.
Aus den tierspezifischen Häufigkeiten, kindlichen Risikogruppen für schwere Verletzungen, Unfallhergängen und -folgen ergeben sich spezifische Sicherheitsbotschaften, die die BAG in die Öffentlichkeit tragen wird.

Die BAG setzt bei der Umsetzung des Kindersicherheitstags auf die Kooperation mit ihren Mitgliedsorganisationen und regionalen Partnern.

Wenn auch Sie einen aktiven Beitrag zum Kindersicherheitstag 2015 leisten möchten, so freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme: koordination(at)kindersicherheit.de.

2. Wo Gefahr drauf steht, ist auch Gefahr drin - Verpackungen von Haushaltschemikalien auf dem Prüfstand

Dass Kinder im Risikoalter von unter fünf Jahren nicht auf  Verpackungen von Produkten und nur selten auf die Gefahrensymbole darauf achten, steht außer Frage. Ob das die Eltern tun, war Gegenstand einer Internetumfrage der BAG.

Etwa die Hälfte der Befragten wählt beim Kauf von Reinigungsmitteln wenn möglich ein Produkt mit einer kindergesicherten Verpackung. Zwei Drittel der Befragten achten auf die Gefahrensymbole, die auf jeder gesundheitsgefährdenden Haushaltschemikalie abgebildet sein müssen. Aber was bedeuten Flammen, Explosion oder Totenkopf in einem roten Quadrat? Die Symbole selbst kennt nur ein Drittel der Befragten. Auch wenn die Internetbefragung aufgrund der Teilnehmerzahl nicht repräsentativ ist, sind die Tendenzen eindeutig: Der Informationsbedarf ist sehr groß!

Um diesen Informationsbedarf zu analysieren, lud die BAG am 21.11.2014 in Bonn zu einem Experten-Workshop ein. Es diskutierten 35 Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitseinrichtungen, Giftinformationszentren, Industrieunternehmen, Marktaufsichtsbehörden und Verbraucherschutzorganisationen die Gründe, warum immer noch schwere Vergiftungsunfälle mit Produkten geschehen und welche Maßnahmen zum besseren Schutz der Kinder ergriffen werden können.

Ergebnis: Die Quote der Produkte auf dem Markt, die in Bezug auf die Verpackungen oder Verschlüsse von Marktinspektoren als mangelhaft oder nicht normkonform eingestuft werden, weist in den Bundesländern erhebliche Unterschiede auf. Hier können die Marktaufsichtsbehörden der Länder ihren Austausch intensivieren, um Ursachen hierfür zu ermitteln und Benchmarks zu setzen. Chancen liegen auch in einem gut gelingenden Übergang zum GHS-System (Global Harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien), das ab Juni 2015 umfassend gültig ist.

Zudem spielt die Information der Verbraucherinnen und Verbraucher eine bedeutende Rolle. Diese sind nicht nur beim Kauf gefordert; sie müssen sich auch an Regeln bei der Lagerung der Haushaltschemikalien halten: Gefährliche Produkte außer Reichweite von Kindern aufbewahren, Behälter wieder richtig verschließen und Chemikalien unter keinen Umständen umfüllen.

Eine Vernetzung der Akteure, so das Fazit des Workshops, ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung neuer Ansätze. Die Workshop-Ergebnisse werden dazu genutzt, Strategien zur Verbesserung kindergesicherter Verpackungen zu entwickeln. Ein Schwerpunkt wird dabei die Information der Verbraucherinnen und Verbraucher sein.

Kennen Sie die alten und neuen Gefahrensymbole? Hier haben wir sie für Sie zusammengefasst: http://www.kindersicherheit.de/pdf/Gefahrensymbole.pdf

3. Vorstellung der App „Giftfrei einkaufen“

Die App “Giftfrei einkaufen“ wurde im Projekt „Nestbau“ von dem WECF e.V. entwickelt. Nestbau ist ein europaweites Projekt zur Förderung der Kindergesundheit während der Schwangerschaft und von Geburt an.

Die App „Giftfrei einkaufen“ hält für die Produktgruppen Kosmetikartikel, Reinigungsmittel, Renovierungsbedarf, Spielsachen, Babypflege und ab jetzt auch für Bekleidung und Textilien wertvolle Tipps zum möglichst schadstofffreien Einkauf bereit.

Textilien enthalten häufig gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien. Unter anderem werden Bakterizide und Fungizide beigefügt, um Fasern resistent gegen Bakterien und Pilze zu machen. Auch Substanzen wie Formaldehyd, Epoxidharz und Dispersionsfarbstoffe oder Chlorphenole finden häufig ihren Weg in die Verarbeitung. Sie belasten die Umwelt, die Mitarbeiter(innen) in der Produktion und können als Rückstände auf der Kleidung bestehen bleiben.

Die Regulierungen von politischer Seite sind schwach. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es schwer zu erkennen, welches Produkt bedenkenlos ist. Die App „Giftfrei einkaufen“ hilft, aus der Fülle von Alltagsprodukten diejenigen herauszufinden, die möglichst frei von gesundheitsgefährdenden Schadstoffen sind.

Mehr Informationen und die App zum kostenlosen Download finden Sie unter http://www.wecf.eu/german/news/2015/app-bekleidung.php

Die Fortbildung „Kind & Sicherheit“, die die BAG gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter e.V anbietet, wird auch 2015 mit vier Kursterminen fortgesetzt. Die Fortbildung richtet sich an Praktikerinnen und Praktiker, die mit jungen Familien arbeiten.

Diese Fachkräfte, z.B. medizinische Fachangestellte, Hebammen, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, Erzieherinnen, Pädagoginnen und Pädagogen, Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeiterinnen von Jugend- oder Gesundheitsämtern erhalten in dem zweitägigen Seminar Basiswissen zu folgenden Themen:

  • Kinderunfälle in Heim und Freizeit,
  • beabsichtigte und unbeabsichtigte Verletzungen bei kleinen Kindern,
  • wirksame Strategien zur Verletzungsprävention,
  • Maßnahmen zur Förderung sicherer Lebenswelten,
  • sicherheitsbewusstes Verhalten und altersangemessene Aufsicht.

Zudem werden gemeinsam mit den Teilnehmenden Vorstellungen zur praktischen Umsetzung in ihren beruflichen Kontexten entwickelt.

Die nächsten interdisziplinären Kurse 2015 finden statt in:

Hannover 26.06. und 27.06.2015
Berlin 25.09. und 26.09.2015
München 23.10. und 24.10.2015
Bochum  20.11. und 21.11.2015


Die Kurskosten betragen inklusive Verpflegung und Materialien 280 Euro.
Schriftliche Anmeldungen sind per E-Mail unter post@dapg.info oder per Fax 03212/6683083 möglich.

Weitere Informationen finden Sie  unter:
http://www.kindersicherheit.de/nc/fortbildungen/veranstaltung/kind-sicherheit.html

5. Schulsportbrillen im Test – Für mehr Sicherheit im Sportunterricht © www.sicherheitimsport.de

In Untersuchungen an ca. 1.500 Schülern konnte die Ruhr-Universität Bochum nachweisen, dass viele Kinder „fehlsichtig“ am Schulsport teilnehmen. Zwanzig Prozent der Schüler tragen im Alltag eine Sehhilfe. Jeder Zweite aus dieser Gruppe verwendet aber keine Sehhilfe beim Schulsport. Dies beunruhigt, weil es dadurch zu Unfällen und Verletzungen kommen kann.

Und auch die Befragung von Lehrkräften zeigte, dass im Umgang mit dem Thema „Schulsport und Brille“ Handlungsbedarf besteht. Mehr als 50 % der Lehrerinnen und Lehrer erlaubten die Verwendung von Alltagsbrillen beim Sport, obwohl 80 % der Lehrerinnen und Lehrer bewusst ist, dass das Tragen von Alltagsbrillen im Sport Risiken mit sich bringt.
Um über dieses wichtige Thema Schulsportbrillen aufzuklären, hat die Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Sport (ASiS) gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum eine Kampagne gestartet und Schulsportbrillen ausgiebig getestet.

Da Kinderbrillen beim Sport erfahrungsgemäß vielseitigen Belastungen ausgesetzt sind und demzufolge höchst belastbar sein müssen, wurde nach den strengeren Kriterien der ANSI-Norm geprüft. Neben objektiven Tests nach geltenden Normen wurden auch sportwissenschaftliche Testverfahren angewandt und ein Expertenrating durchgeführt. Das Ergebnis: 10 der insgesamt 16 getesteten Brillenmodelle durchliefen die Tests erfolgreich und wurden entsprechend als „schulsporttauglich“ eingestuft.

Doch nicht nur ein erfolgreicher Test, sondern auch die richtige Anpassung und Handhabung der Schulsportbrille ist für die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen notwendig. Die Funktionalität einer schulsporttauglichen Brille ist nur dann gewährleistet, wenn die „Verglasung“ mit Kunststoff-Korrektionsgläsern beim Augenoptiker fachgerecht durchgeführt wird. Eine geeignete Fassung muss individuell ausgewählt und an die Kopfform angepasst werden. Daneben müssen Herstellerhinweise beachtet werden!

Die Testergebnisse und weitere Informationen zu dem Thema Schulsportbrille finden Sie auf: http://www.sicherheitimsport.de/uebungsleiterinnentrainerinnen-sportlerinnen/sportartenuebergreifende-informationen/schulsportbrillentest-2015/