23.07.2014

2014 - 02 - Newsletter

Auf das Gleichgewicht kommt es an – das wissen schon kleine Kinder, wenn sie über einen liegenden Baustamm balancieren oder Radfahren lernen. Wie die richtige Balance zwischen Beschützen und Loslassen, zwischen Vorsicht und Risiko aussieht, ist für viele Eltern allerdings schwierig auszuloten. Fragen der Sicherheitsarbeit mit Eltern hat die BAG in den letzten Wochen, auch beim Kindersicherheitstag mit Bundesgesundheitsminister Gröhe, viel diskutiert. Hierbei geht es um Umsicht und Ausgewogenheit. Auch bei den Themen dieser Newsletter-Ausgabe haben wir versucht, die richtige Balance zu finden.


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Der Kindersicherheitstag am 10.06.2014 stand unter dem Motto „Planschen. Baden. Schwimmen. Sicher geht das!“ und stellte die Sicherheit im und am Wasser ins Zentrum. Gesundheitsminister Gröhe hat die Schirmherrschaft für den Tag übernommen und an der Auftaktveranstaltung in Berlin mitgewirkt.

Der Schwerpunkt Sicherheit am Wasser wurde gewählt, weil Ertrinken zu den häufigsten tödlichen Unfallarten zählt – in allen Altersstufen. Ertrinken ist ein Unfallmechanismus, bei dem die Spanne zwischen Leben und Tod sehr kurz und dramatisch ist. Auch wenn ein Kind nur "beinahe" ertrinkt, was weitaus häufiger passiert als tödliche Ertrinkungsunfälle, kann es innerhalb kürzester Zeit durch den Sauerstoffmangel bleibende schwere Behinderungen erleiden. Und was viele nicht wissen: Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für einen Außenstehenden mitunter schwer zu erkennen. Denn Kinder ertrinken „leise“. Sie sinken unter Wasser „wie ein schwerer Stein“ und unternehmen keine Selbstrettungsversuche, z.B. durch Schreie oder lautes Wasserschlagen. So kann es kommen, dass ein Kind unbemerkt untergeht.

Präventionsmöglichkeiten gegen Ertrinken sind vielfältig: umfassende Aufsicht durch die Eltern und Betreuungspersonen, Wissen über Gefahrensituationen - bei Eltern und bei Kindern - frühzeitige Wassergewöhnung und sicheres, ausdauerndes Schwimmen lernen. Genauso aber auch das Wissen über Gefahren von Produkten, die im Wasser benutzt werden, z.B. Schwimmhilfen, Badeinseln oder Wasserrutschen.

Die BAG hat die Daten analysiert, einen Flyer und weiteres Informationsmaterial zum Thema entwickelt. Im Laufe des Sommers haben bereits mehrere Aktionen der BAG und ihrer Partner stattgefunden und weitere stehen noch aus. Alle Materialien zum Thema und ein Veranstaltungskalender sind auf der Homepage der BAG unter http://www.kindersicherheit.de/kindersicherheitstag.html zu finden. Wir freuen uns, wenn auch viele unserer Mitglieder und Partner das Thema „Sicherheit im und am Wasser“ aufgreifen!

Im Herbst 2014 wird von AXA Deutschland zum ersten Mal der AXA Kindersicherheitspreis vergeben. Der Preis ist Teil einer längerfristigen Kindersicherheitsinitiative, die der AXA Konzern in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder entwickelt und durchführt.

Der Kindersicherheitspreis wurde anlässlich des Kindersicherheitstages 2014 erstmalig ausgelobt. Die Ausschreibung richtet sich an Menschen und Projekte, die sich vorbildlich für das sichere Aufwachsen von Kindern in Deutschland einsetzen. Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis zeichnet Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen aus, die direkt oder indirekt zu mehr Kindersicherheit führen – sei es durch Beiträge zu sicheren Spielplätzen oder einer kindgerechten Wohnumgebung, durch Schulprojekte oder durch Beratungsangebote für Eltern oder Kurse für Kinder. Der Sonderpreis 2014 Sicher im und am Wasser, der mit 2.500 Euro prämiert wird, zeichnet Projekte aus, die sich für die Sicherheit von Kindern im und am Wasser einsetzen.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 29. August 2014. Bewerben kann sich jeder, der sich nicht profitorientiert für Kindersicherheit in Deutschland engagiert. Eine unabhängige Jury bewertet die Bewerbungen anhand verschiedener Kriterien, wie die Grundidee, Erfolg und Nutzen, fachliche Qualität und Innovation.

Alle Informationen zum Bewerbungsverfahren und das Bewerbungsformular sind unter www.axa.de/kindersicherheit zu finden.

3. EuGH setzt einheitliche Grenzweite für Spielsachen in der EU durch

Im Jahr 2009 hat die Europäische Union eine neue Spielzeugrichtlinie erlassen, in der veränderte Grenzwerte für bestimmte chemische Stoffe in Spielsachen festgelegt wurden, u. a. für Schwermetalle. Deutschland hatte seinerzeit gegen diese Richtlinie im Rat gestimmt, weil die bis dahin im eigenen Land geltenden Grenzwerte für Blei, Barium, Antimon, Arsen und Quecksilber einen höheren Schutz boten, als die neuen Grenzwerte der EU. Deutschland hatte gegen die Europäische Kommission geklagt, um die alten nationalen Grenzwerte beibehalten zu dürfen.  Dies wurde Deutschland bis zum offiziellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gestattet.

Im Mai 2014 hat der EuGH nun aber die Klage abgewiesen. Deutschland muss die europäischen Grenzwerte für fast alle Stoffe übernehmen. Für Blei allerdings gelten vorerst weiter die deutschen Vorgaben, weil das Gericht hier Fehler in der Begründung für die Grenzwerte der EU-Kommission gefunden hat. Für Antimon, Arsen und Quecksilber gelten zukünftig auch in Deutschland die schon jetzt EU-weit geltenden Werte.

Die neuen Grenzwerte bedeuten für flüssige und pulvrige Spielsachen (Seifenblasen, Kreide) eine Verschärfung – und damit eine höhere Sicherheit für Kinder. Für feste Materialien (Lacke, Holz, Plastik und Metall), die den Großteil der Spielsachen ausmachen,  waren die bisherigen deutschen Grenzwerte jedoch strenger. Das bedeutet, dass sich in diesem Punkt die Bedingungen für die Verbraucher verschlechtert haben. Nach Aussagen der Stiftung Warentest hatten Spielzeugtestungen gezeigt, dass ein großer Teil der Produkte die Einhaltung der deutschen Grenzwerte problemlos schaffte. Aus Verbrauchersicht bleibt zu hoffen, dass die Hersteller freiwillig an dem bisherigen höheren Sicherheitsstandard festhalten!

Das Urteil des EuGH kann unter http://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?language=de&num=T-198/12 nachgelesen werden.

4. Projektstart bei der BAG: Kinder und Haushaltschemikalien – Mehr Schutz durch kindergesicherte Verpackungen Deckel einer kindergesicherten Verpackung

Die Verwendung von kindergesicherten Verpackungen kann dazu beitragen, dass Kleinkinder besser vor Vergiftungen geschützt werden.

Kindergesicherte Verpackungen können das Öffnen von aggressiven chemischen Haushaltsprodukten und Medikamenten verhindern und so Kinder davor schützen, dass sie in Kontakt mit giftigen Substanzen kommen. Voraussetzung hierfür ist, dass diese Verpackungen und Verschlüsse bei allen potenziell gesundheitsgefährdenden Produkten eingesetzt werden. Die Verpackungen und Verschlüsse sollten den Sicherheitsanforderungen und Normen entsprechen, Verbraucherinnen und Verbraucher über die entsprechenden Produkte, Standards und den sicheren Gebrauch informiert sein.

Bei der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. ist nun zu diesem Thema das Projekt „Kinder und Haushaltschemikalien – Mehr Schutz durch sichere Verpackungen“ angelaufen, das vom Bundesumweltministerium (BMUB) über zwei Jahre gefördert wird. Das neue Projekt zielt darauf ab, zuständige Institutionen zu vernetzen, gemeinsam mit den Verantwortlichen Regelungen und Empfehlungen zur Verbesserung und Verbreitung kindergesicherter Verpackungen zu entwickeln sowie Verbrauchermaterialien zu erstellen. Ziel ist es, die Möglichkeiten zur Prävention von Vergiftungsunfällen besser auszuschöpfen.

Als erster Schritt zur Situationsanalyse, Beschreibung des Handlungsbedarfs und Entwicklung von Handlungsperspektiven wird ein Experten-Workshop durchgeführt. Die Veranstaltung findet für einen ausgewählten Teilnehmerkreis am 30. Oktober 2014 im Bundesumweltministerium in Bonn statt. Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte unter koordination(at)kindersicherheit.de.

5. Aktuelle Zahlen zum Unfallgeschehen durch den KiGGS Kiggs Logo

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey, die repräsentative Studie zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, ist mit seiner lang angelegten Strategie auch für die Bewertung des Verletzungsgeschehens sehr aufschlussreich.

Die Ergebnisse der von 2009 bis 2012 durchgeführten Folgebefragung "Welle 1" sind vom Robert Koch-Institut aktuell veröffentlicht worden. Demnach ist die Zahl der Kinderunfälle im Vergleich zur KiGGS-Basiserhebung mit einer Rate von gut 15% behandlungsbedürftigen Unfällen bei den unter 18jährigen unverändert hoch geblieben. Unfallverletzungen gehören immer noch zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Kindes- und Jugendalter.

Die Studie liefert detaillierte Zahlen zu Unfallhäufigkeiten, Unfallorten sowie Alters- und Geschlechtsverteilungen und sozio-ökonomischen Determinanten. Demnach wurden 15,5 % der 1- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen innerhalb eines Jahres wegen eines Unfalls ärztlich behandelt. Jungen waren mit einer Rate von 17,0 % signifikant häufiger von behandlungsbedürftigen Unfällen betroffen als Mädchen (14,0 %). 12,3 % der verunglückten Kinder mussten mindestens eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Die meisten Unfälle geschahen bei den unter 18-Jährigen zu Hause, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie auf dem Spielplatz/in Sporteinrichtungen. Je höher der soziale Status der Familie, desto seltener erfolgte nach Unfällen eine Krankenhausbehandlung.

Weitere interessante Ergebnisse, die noch nicht publiziert sind, sind zu erwarten. Vertiefende Erkenntnisse zu Einflussfaktoren und Ausprägungen von Kinderunfällen können, sobald ein Public Use File zur Verfügung steht, auch mittels eigener Sonderauswertungen erreicht werden.

14 aktuelle Fachbeiträge zum KiGGS – neben einem Übersichtsartikel zum Unfallgeschehen auch ein Beitrag zu körperlich-sportlicher Aktivität und Nutzung elektronischer Medien im Kindes- und Jugendalter– sind in der Juli-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts veröffentlicht.

Alle Beiträge stehen auch zum Download zur Verfügung: http://www.kindersicherheit.de/nc/service/pm/presse/neue-daten-zur-kinder-und-jugendgesundheit.html

6. Kinetischer Sand – Neues Spielzeug für Kinder?

Kinder sitzen still und konzentriert im Kinderzimmer, Wohnzimmer oder auch im Gruppenraum des Kindergartens. Zufrieden kneten, bauen und formen sie Figuren aus Sand. Was bis vor kurzer Zeit nur zum Spielen draußen vorstellbar war, hat nun auch Einzug ins das Innere des Hauses gefunden – kinetischer Sand.

Bei kinetischem Sand handelt sich um einen sehr weichen Sand, mit dem man auf nahezu allen Oberflächen arbeiten kann. Er krümelt nicht, verteilt sich nicht, klebt nicht und lässt sich wunderbar kneten. Er besteht zu 98 % aus Quarzsand. Dazu kommt ein polymeres Bindemittel, Polydimethylsiloxan (PDMS), welches ihm diese für Sand untypischen Eigenschaften verleiht. Das Produkt ist konform den Spielzeugrichtlinien produziert und ist frei von Konservierungsstoffen.

Jedoch ist im Umgang mit kinetischen Sand einiges zu beachten: Wie bei jedem Sand besteht die Gefahr des Verschluckens. Deshalb ist kinetischer Sand erst ab 3 Jahren zugelassen. Weiter berichten Käufer von unangenehmen Geruch, der von dem Produkt ausgeht. Dies könnte ein Hinweis auf Fehler in der Produktion, auf Zutaten von minderer Qualität oder auf Verunreinigungen sein. Sollten Sie unsicher sein, gehen Sie kein Risiko ein und reklamieren das Produkt.

Eine weitere mögliche Gefahr stellt das Bindemittel Polydimethylsiloxan dar. Siloxane sind Bausteine für Silikonprodukte. Sie galten lange Zeit als ungefährlich, allerdings gibt es Hinweise auf gefährliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt.

Den kinetischen Sand zu formen, ist ein magisches und faszinierendes Erlebnis – so das Werbeversprechen des Herstellers. Wir empfehlen dennoch eine kritische Prüfung und seien Sie sich - trotz aller Magie und Faszination - der Risiken bewusst.