08.03.2014

2014 - 01 - Newsletter

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. hat zum Jahreswechsel neue Geschäftsräume bezogen. Die neue Adresse lautet: Christian-Lassen-Straße 11a in 53117 Bonn. Telefonnummern, Fax- und Internetadresse sind gleich geblieben. Bewährtes bleibt: Bei der Mitgliederversammlung im Dezember letzten Jahres wurde der bisherige Vorstand mit der Präsidentin Dr. Stefanie Märzheuser für weitere 3 Jahre im Amt bestätigt und kann somit seine erfolgreiche Arbeit fortführen.

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Die Themen des Newletters 2014-01:

1. Kindersicherheitstag zum Thema „Sicherheit im und am Wasser“

Der nationale Kindersicherheitstag findet auch 2014 wieder am 10. Juni als Medienereignis und Aktionstag statt. Er wird den Fokus auf die Sicherheit im und am Wasser legen. Ertrinken ist die zweithäufigste Unfallursache, die zum Tod von kleinen Kindern führt. Als typische Unfallorte steht bei den ganz Kleinen (bis zu zwei Jahren) die Badewanne an erster Stelle, gefolgt von Gartenteichen und offenen Gewässern (Ein- bis Dreijährige). Ab dem Grundschulalter passieren die meisten Ertrinkungsunfälle in Schwimmbädern und bei den über 10jährigen sind das Meer oder Seen besondere Gefahrenpunkte. Die BAG möchte Eltern und alle, die Kinder betreuen, für die Gefahren, die von Wasser ausgehen können, sensibilisieren. Denn wenn Kinder im Wasser in Not geraten, reagieren sie anders als Erwachsene: Kommt ihr Gesicht ins oder unter Wasser, können sie sich mitunter nicht selbst aus dieser Situation befreien. Sie verharren einfach in der Position und können auf diese Weise auch bei sehr niedriger Wassertiefe und an vermeintlich ungefährlichen Stellen ertrinken - wenn ihnen keiner hilft.

Mit dem Kindersicherheitstag 2014 verfolgt die BAG das Ziel, die Prävention von Ertrinkungsunfällen voran zu bringen. Sie wird Daten, Studienergebnisse und Hintergründe zu diesem Thema zusammen tragen, alters- und kontextspezifische Sicherheitsbotschaften entwickeln und diese für die breite Öffentlichkeit aufbereiten. Hierbei setzt sie auf Kooperation mit regionalen Partnern wie Schwimmbädern, Schwimmschulen oder örtlichen Vereinen. Diese - 2 sollen die am 10.06.2014 national startenden Aktionen fortführen und in die Breite tragen. Den Auftakt wird eine Pressekonferenz in Berlin bilden.

Die BAG hat Bundesgesundheitsminister Gröhe gebeten, die Schirmherrschaft für den Kindersicherheitstag zu übernehmen. Wir freuen uns, wenn viele unserer Mitglieder das Thema „Sicherheit im und am Wasser“ aufgreifen und Folgeveranstaltungen organisieren.

2. Hybridspielzeug für Kinder immer interessanter? – Gefährdungen im Blick behalten!

Auch in diesem Jahr lud die Spielwarenmesse Nürnberg als die weltweit führende Fachmesse für Spielzeug und Freizeitprodukte rund 2.700 Aussteller aus 60 Ländern ein. Neben den neusten Trends wie Lebend-Sand, Laserspielen und ferngesteuerten Hubschraubern, war vor allem das Thema Hybridspielzeug in aller Munde.

Doch was ist Hybridspielzeug? Der Ausdruck Hybrid bedeutet „etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes“ und ist den meisten aus dem Kontext der Automobilentwicklung als Hybridantrieb, bei dem zwei Antriebskonzepte gebündelt werden, bekannt. Bei dem Hybridspielzeug ist es ähnlich. Es werden zwei Spielkonzepte gebündelt. Besonders beliebt ist elektronisches Hybridspielzeug als Verlängerung klassischer Spielideen in die virtuelle Welt. So gehören zu Legos Hybridspiel „Life of George“ 144 Lego-Steine und eine spezielle Unterlage mit deren Hilfe man das nachbauen kann, was man auf dem Display seines iPhones zu sehen bekommt. Ist man fertig, fotografiert man das Resultat, und eine so genannte „Steinerkennungstechnologie“ stellt fest, wie gut man die Aufgabe gelöst hat. Es gibt 12 Level mit jeweils 10 Aufgaben. Man kann alleine werkeln oder gegen einen zweiten Spieler antreten.

Mittels mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs werden Spiele programmiert und gesteuert oder wie im Beispiel von Lego der erfolgreiche Zusammenbau der Steine ausgewertet. Dies setzt zum einen den kompetenten Umgang von kleinen Kindern mit diesen Geräten voraus und zum anderen ein hohes Maß an Sicherheit aller zum Einsatz kommenden Produkte. Es muss ein für das Kind ungefährlicher Umgang mit den mobilen Endgeräten, die zum Spiel benutzt werden, aber nicht als Spielzeug definiert sind, vorausgesetzt werden können. Auch wenn die Sicherheitsrichtlinien für elektronisches Spielzeug DIN EN 50088 (VDE 0700-210) und die der mobilen Sicherheit (mehr dazu hier) eingehalten werden, sollten Smartphones und Tablet-PCs nicht ganz achtlos in die Hände von Kindern gegeben werden. Denn die Sicherheit ist nur bei bestimmungsgemäßem Gebrauch gewährleistet!

Der Einzug von iPad und Co in das Kinderzimmer von heute hat schon längst begonnen. Welche Gefahren aber möglicherweise von diesen Geräten ausgehen, ist bisher noch nicht hinreichend bekannt und muss genau beobachtet werden.

3. Prävention durch Aufklärung – BAG vereinbart Kooperation mit AXA

Unter der Devise „Prävention durch Aufklärung“ wollen sich die BAG und der Versicherer- und Finanzdienstleister AXA gemeinsam dafür engagieren, dass Kinder in Deutschland sicher aufwachsen. Mit einer mehrjährigen Initiative sollen Impulse dafür gesetzt werden. Startpunkt der Zusammenarbeit war eine Studie, die die Einschätzung von Eltern, von Pädagogen und von Kindern zum Thema Kindersicherheit erfragt. Der von AXA gemeinsam mit Forsa und der BAG entwickelte AXA Kindersicherheitsreport liefert interessante Antworten auf die Fragen „Wo drohen unseren Kindern aus Sicht von Eltern und Lehrern die größten Gefahren?“, „Was sind ihrer Meinung nach die häufigsten Ursachen für Unfälle?“ und „Stimmt die subjektive Wahrnehmung überhaupt mit der Realität überein?“.

Erlebte Bedrohungsszenarien, Erziehungsfragen bzw. -stile und konkretes Sicherheits-Handeln hängen eng zusammen. Es zeigt sich z.B. dass Eltern schon viel für die Sicherheit ihrer Kinder tun, aber Gefahren nicht realistisch einschätzen. Wir sehen, dass in der Kinderunfallprävention Handlungsbedarf, z.B. bei der persönlichen Beratung von Eltern, besteht. Positiv ist, dass Eltern und Pädagogen an einem Strang ziehen möchten, damit Kinder unter guten Lern- und Lebensbedingungen und in funktionierenden Beziehungen mit Gleichaltrigen aufwachsen. Mehr interessante Ergebnisse sind im AXA Kindersicherheitsreport nachzulesen.

Zurzeit wird die EU Verordnung für Kinderrückhalteeinrichtungen in Kraftfahrzeugen überarbeitet mit dem Ziel, den Transport von Kindern noch sicherer zu machen. Schon im Juli 2013 ist die erste Phase der neuen Kindersitznorm ECE 129 in Kraft getreten. Langfristig wird sie die bisherige EC 44 ersetzen. Die neue Norm stellt höhere Anforderungen an die Kinderrückhaltesysteme in Bezug auf den Seitenaufprallschutz und die Kompatibilität der Sitze für unterschiedliche Fahrzeugtypen. Wichtig zu wissen ist, dass die „alte“ Norm EC 44 weiterhin gültig ist und damit die Sitze, die dieser Norm entsprechen, auch weiterhin genutzt werden dürfen.

Von der neuen Norm betroffen sind bisher ausschließlich Kindersitze mit integriertem Gurt und Universal-IsoFIX-System (Babyschalen, ECE-44 Gruppe 1). Die später folgenden Phasen2 und 3 der Norm beziehen dann auch Kindersitze ohne integrierten Gurt und Sitze ohne IsoFIX-Halterungen mit ein. Erst im Laufe des Jahres 2014 werden die ersten, nach der neuen Regelung zugelassenen Kindersitze und Fahrzeugmodelle überhaupt erhältlich sein. Sie sind dann an der Bezeichnung „i-Size“ (oder auch iSize) zu erkennen. Die Verwendung von Kinderrückhaltesystemen nach der bisherigen Norm ECE 44/03 bzw. 44/04 auch mit IsoFIX-Befestigung ist in Kraftfahrzeugen mit IsoFIX-Punkten weiterhin zulässig. Diese Systeme mit guten Testergebnissen bieten bei korrektem Einbau und richtiger Handhabung den kleinen Mitfahrern im Auto nach wie vor einen optimalen Schutz! Die Vereinbarung in englischer Sprache finden sie hier.

Im Dezember 2013 hat die European Child Safety Alliance (ECSA) den neuen “Child Safety Product Guide” vorgestellt. Für den Ratgeber wurden 26 auffällige Produkte (z.B. Hochbetten, Wickeltisch, Feuerwerkskörper, Plastiktüten, Gartentrampolin) ausgewählt, die entweder schwere und/oder häufig Unfälle verursachen, häufig von Eltern oder Betreuungspersonen (für ihre Kinder) genutzt werden oder als Sicherheitsprodukte gelten, aber falsch genutzt werden („misuse“).

Die Auswahl der Produkte erfolgte sowohl über die Datenbank von RAPEX (Rapid Alert System for Non-Food Products) der Europäischen Union als auch über die Rückmeldungen der beteiligten Vertreterinnen und Vertreter der 34 ECSA-Partnerländer. Auf insgesamt 66 Seiten werden für jedes der 26 Produkte typische Unfallsituationen dargestellt, Tipps zur richtigen und sicheren Nutzung und zum Kauf des Produktes gegeben. Der Ratgeber ist in englischer Sprache verfügbar und kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.

6. Fachdatenbank www.bzga.de/kindersicherheit im Aufbruch

Seit Ende 2013 hat die BAG den Auftrag, das Internetportal der Fachdatenbank www.bzga.de/kindersicherheitweiter zu entwickeln, für neue Nutzergruppen zu erschließen und die Nutzergerechtigkeit zu verbessern. Mit der Online-Datenbank bieten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die BAG im Internet eine Übersicht über die Aktivitäten, Medien und Maßnahmen zur Kinderunfallprävention in Deutschland an.

Die Besucherinnen und Besucher nutzen den Datenpool, um sich über Angebote zu informieren und Kontakte zu den Trägern guter Modelle oder zu potenziellen Kooperationspartnern zu knüpfen. Derzeit sind 527 Angebote registriert und 232 Organisationen vertreten. Spezifische Suchkriterien erlauben die Auswahl der Maßnahmen und Medien mit Blick auf bestimmte Unfall-arten, Zielgruppen oder Regionen. Neben der ausführlichen Beschreibung der einzelnen Angebote sind Kontaktadressen und direkte Ansprechpersonen angegeben. Viele Materialien können direkt in der Datenbank angeschaut und bei Bedarf ausgedruckt oder bestellt werden. Über die regionale Suchfunktion finden die Nutzer Informationen zu Maßnahmen in der Nähe.

Für 2015 ist zudem eine Aktualisierungserhebung geplant, damit die Angaben zu Medien und Maßnahmen der Kinderunfallprävention up to date sind. Bei der Umsetzung wird die BAG die Erfahrungen und Bedürfnisse ihrer Mitglieder und Kooperationspartner aufgreifen. Wir freuen uns über Ihre Anregungen, Unterstützung, Ideen und Verbesserungsvorschläge! Bitte teilen Sie uns Ihre Rückmeldungen online mit. Ein Blick in die Datenbank lohnt sich!