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Newsletter der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V.
Nr. 2/2009
Kindersicherheit in Europa im Vergleich: Child Safety Report Cards
Im Mai 2009 hat die European Child Safety Alliance (ECSA), das europäische Netzwerk zur Kinderunfallprävention, Ergebnisse zur Kindersicherheit in Europa veröffentlicht. Für 24 europäische Nationen wurden „Child Safety Report Cards“ – Gutachten zur Kindersicherheit – angefertigt und vergleichend bewertet, wie die beteiligten Länder in wesentlichen Sicherheitsbereichen aufgestellt sind. In den Blick genommen wurden Maßnahmen und Strategien zur Verkehrssicherheit, zur Wassersicherheit, zur Prävention von Stürzen, Vergiftungen, Brand- und Erstickungsunfällen. Aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Datenlage, die Infrastruktur und die fachlichen Grundlagen in den Ländern wurden analysiert. Und schließlich beinhalten die „Report Cards“ und der Ländervergleich auch Empfehlungen zur Prävention.
Die „Report Cards“ zeigen, dass es in den europäischen Nationen große Unterschiede hinsichtlich der Kindersicherheit gibt. An der Spitze des von der ECSA erstellten Rankings liegen Island, die Niederlande und Schweden, Schlusslichter sind Griechenland und Portugal. Deutschland liegt, wenn man die tödlich verletzten Kinder sowie den Sicherheitsstatus betrachtet, im oberen Drittel und zählt zu den zehn Nationen unter 24 teilnehmenden Ländern, die eine gute Gesamtbewertung erhalten haben. Keines der Länder hat ein exzellentes Ergebnis erzielt. Es besteht also überall in Europa noch Verbesserungsbedarf, insbesondere bei der Datenlage, der Erforschung der Unfallrisiken sowie der europaweiten Übertragung erprobter Präventionsmaßnahmen. Nicht zuletzt sind Strategien der politisch Verantwortlichen gefragt, wo und wie in eine ressortübergreifende und effektive Verletzungsprävention investiert werden soll. Nach der Kindersicherheits-Studie sind in Deutschland Unfälle für 19% aller Todesfälle der 0-19Jährigen verantwortlich und haben fast 90.000 verlorene Lebensjahre zur Folge.
Sehr gut platziert ist Deutschland bei der Verkehrssicherheit. Hier wurde ein ausgezeichnetes Ergebnis erreicht – dank bundeseinheitlicher Gesetze und deren konsequenter Durchsetzung wie auch durch die gut etablierte Verkehrserziehung. Als verbesserungswürdig wird die Tatsache gesehen, dass es in Deutschland keine Helmpflicht für Fahrradfahrer gibt.
Im Bereich der Heim- und Freizeitunfälle besteht immer noch hoher Handlungsbedarf. Große Probleme sieht das Gutachten bei Ertrinkungsunfällen. Sie sind nach den Verkehrsunfällen die zweithäufigste Unfalltodesursache bei Kindern – aber nach wie vor gibt es keine bundeseinheitlichen Regelungen zum Schwimmunterricht, zur Ausbildung von Lebensrettern, zur Beschilderung von Stränden. Bemängelt wurde zudem, dass kein Gesetz zur Einzäunung von Swimmingpools und Gartenteichen existiert und dass Schwimmwesten beim Gebrauch von Booten nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.
Auch gegen Verbrennungen und Verbrühungen könnten Kinder noch besser geschützt werden. So sollte der Einbau von Rauchmeldern im Privatbereich in allen Bundesländern Pflicht werden und Regelungen zur Wasser-Höchsttemperatur sollten bundeseinheitlich getroffen werden. Unfälle durch Stürze könnten durch eine gezielte Aufklärungskampagne reduziert werden. Außerdem sollte der Einbau von Fensterriegeln für Wohnungen ab dem 1. Stock durch Regelungen in den Bauordnungen obligatorisch werden. Auch für Vergiftungen im Kindesalter mangele es an bundesweiter Aufklärungsarbeit, so das Gutachten.
Ausführliche Berichte zur europäischen Kindersicherheitsstudie finden sich auf der Internetseite der European Child Safety Alliance unter www.childsafetyeurope.org. Hier sind auch die Report Cards und Länderprofile sowie der zusammenfassende europäische Vergleich als Bericht verfügbar (in englischer Sprache).