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Die drei Preisträger bei der Preisverleihung am 7. Juni in Berlin
Sozial benachteiligte Familien brauchen besondere Hilfen bei Unfallvorbeugung
Gewinner stellen sich vor:
Infoflyer
Wettbewerb 2003 (pdf-Format, 350 kB)*
Bonn / Berlin. Die AWO Berlin-Friedrichshain e.V., das Landesgesundheitsamt Brandenburg und die Stadt Rendsburg sind die diesjährigen Sieger in einem Wettbewerb, den die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. ausgelobt hat. Das Thema des Wettbewerbs lautete: „Kinderunfälle vermeiden - besondere Lebenslagen berücksichtigen“. Ziel war es, „gute Modelle und vorbildliche Projekte zum Thema Unfallprävention aufzuzeigen, die bewusst auf sozial benachteiligte Familien abzielen“, erläuterte BAG-Geschäftsführerin Martina Abel bei der Preisverleihung im Rahmen der „Kindersicherheitswoche“ in Berlin.
Zur Teilnahme eingeladen waren Kommunen, aber auch Institutionen, die speziell Familien in sozialen Brennpunkten betreuen. „Wir haben eine Fülle interessanter Einsendungen erhalten, die uns zeigen, dass Kindersicherheit bei den relevanten Akteuren einen wichtigen Stellenwert genießt“, betonte Abel. „Mit den Preisgeldern in Höhe von insgesamt 4.500 Euro, die zu gleichen Teilen an die drei Hauptgewinner gehen, wollen wir die Akteure ermutigen, ihre Arbeit fortzusetzen. Wir appellieren an sie und andere Institutionen, regionale Allianzen zur Unfallvermeidung zu bilden.“
Arme Kinder verunglücken häufiger
Fachleute wissen, dass Kinder und Jugendliche überproportional von Armut betroffen sind. Die finanzielle Not der Familien und die daraus resultierende psycho-soziale Situation, aber auch der beengte Wohnraum und das oft unangemessene Freizeitangebot in den Stadtteilen stellen besondere Risiken für sie dar. Sie verunglücken nachweislich häufiger als gleichaltrige Kinder aus anderen sozialen Schichten. Hinzu kommt, dass Jugendliche, die in sozialen Brennpunkten aufgewachsen sind, eher bereit sind, bestimmte Risiken (z. B. im Straßenverkehr), einzugehen als andere ihrer Altersgruppe. All diese Erkenntnisse machen es nach Ansicht der BAG notwendig, das Leben von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sicherer zu machen. „Dazu ist in erster Linie eine gute Aufklärung der betroffenen Familien notwendig“, erläuterte Abel. „Die von uns ausgezeichneten Projekte haben bereits vorbildliche Herangehensweisen entwickelt. Besonders freue ich mich darüber, dass Familien mit Migrationshintergrund im Fokus ihrer Arbeit stehen.“
Merkblätter auf russisch oder türkisch
Die Interkulturelle Begegnungsstätte „Bayouma-Haus“ der AWO Berlin-Friedrichshain, einer der drei Preisträger, bietet bereits seit einigen Jahren Migrantenfamilien u.a. aus Vietnam, Afrika, der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien sowie GUS-Staaten Unterstützung in Sachen Unfallprävention. Es gibt Merkblätter zum Thema Kindersicherheit in den relevanten Sprachen (vietnamesisch, türkisch, russisch, serbokroatisch und englisch), Vorträge und Ausstellungen, aber auch Informationsangebote für die Sozialarbeiter. „Wir erleben es immer wieder, dass sich Familien bei uns gezielt nach Informationen erkundigen, weil sie von unserem Angebot gehört haben“, berichtet Projektleiterin Natascha Garay. „Manchmal ist es allerdings auch notwendig, die Betroffenen direkt anzusprechen.“
„Kinder sehen anders“
Auch der zweite Preisträger, das Landesgesundheitsamt Brandenburg, hat mit Aufklärungsmedien in der Sprache der Migranten gute Erfahrungen gesammelt, wie die projektverantwortliche Ärztin Dr. Gabriele Elläßer berichtete. Das Projekt „Thermische Verletzungen“ dient vor allem dazu, die Zahl der Unfälle durch Verbrühungen - hier sind Kinder aus Migrantenfamilien besonders stark betroffen - zu verringern. Dazu erhalten die Familien Merkblätter zum Thema Unfallursachen und Kindersicherheit auch in russischer oder türkischer Sprache. Außerdem ist es geplant, in diesem Jahr eine Ausstellung in einem Aussiedlerwohnheim zu zeigen. In der Schau „Kinder sehen anders“ erleben Erwachsene eine Riesenküche aus der Perspektive der Kleinen und erhalten anschauliche Informationen zur Verhütung von Kinderunfällen.
Das Motomobil
Die Stadt Rendsburg wird ebenfalls mit einem Preis bedacht. Als Modellkommune zur Unfallprävention bietet sie u.a. für Familien im Stadtteil Mastbrook seit 2001 verschiedene Einzelprojekte an, die die Bewegungsförderung der Kinder mit umfassender Unfallprävention verbindet. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf sozial belastete Kinder gelegt. Besonders nachahmenswert ist das so genannte „Motomobil“, sowie "Sicher werden durch selber machen", bei dem Kinder regelmäßig Erfahrungen mit einer Vielzahl bewegungsfördernder Materialien und Fahrzeuge unter Anleitung von Motopädagogen sammeln können. Ein wichtiger Bestandteil dieser Projekte sind Veranstaltungen zur Unfallprävention für Eltern in Kindertagesstätten und der Schule in Zusammenarbeit mit Kinderärzten und der Unfallkasse Schleswig-Holstein. Die Angebote sind kostenlos.
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