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Zusammenfassung der Podiumsdiskussion vom 01.04.2003
Kinderunfallprävention in Deutschland – Bestand, Bedarf und Perspektiven

Gesprächspartner:
• Annelie Henter, ehem. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
• Dr. Frank Lehmann, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
• Dr. Matthias Albrecht, Kinderchirurgische Klinik, Dortmund
• Andreas Bergmeier, Deutscher Verkehrssicherheitsrat, Bonn
• Klaus Afflerbach, Deutsches Grünes Kreuz, Marburg
• Bodo Bollmann, Westfälische Turnerjugend, Hamm

Moderation: Thomas Altgeld

1. Frage nach bestehenden Erfolgen

• Sportbereich
– Motorische Förderung von Kindern hat sich verbessert
– Qualität der Arbeit in den Sportvereinen hat zugenommen

• Klinik
– Drastischer Rückgang der Unfälle durch Aufklärungsarbeit und Verbesserung der passiven Sicherheit
– Kind in seinem Umfeld sehen – und das geht nur auf der kommunalen Ebene
– Deshalb: vernetzen vor Ort, gemeinsame Aktivität
– Flächendeckende Programme nötig; Initiatoren suchen!

• BZgA
– Verstärkung der Zusammenarbeit und Ausschöpfen von Synergien
– Vernetzung der vielen Träger im Unfallbereich und Verstärkung der Kooperation

• Deutsches Grünes Kreuz
– Wahrnehmung der Unfälle heute: nicht mehr nur Verkehrsunfälle
– Vielfalt unterstützen, gerade im Bereich Heim- und Freizeitunfälle
– Sensibilisierung der Öffentlichkeit wurde erreicht

• Daten
– Repräsentative Studie existiert, hat wertvolle Erkenntnisse geliefert; leider kann die BAuA nun aus den Daten keine Präventionsansätze entwickeln.
– Ohne Aufklärung geht es nicht: Verhaltensfehler sind eine häufige Unfallursache
– Medienwirksame Aktionen mit den Daten durchführen.

2. Beiträge aus dem Publikum

• Nicht nur die Erstellung von Materialien, sondern auch die direkte Ansprache von Multiplikatoren und Endverbrauchern ist nötig.
• Viele Unfallursachen sind bekannt, Präventionsanteil der Arbeit der Schülerunfallversicherungen in Schulen und Kindergärten soll erhöht werden.
• Gesundheitsförderung und Unfallgeschehen stehen im Zusammenhang
• Entwicklungspsychologie sollte als Grundlage genutzt werden.
• Aber auch: gesetzliche Regelungen schaffen, Bußgeldverfahren, „Verhaltenssteuerung“ ergänzend einführen (Beispiele in anderen Ländern)
• Sicherheitsgurt ist gut einzuordnen, klar abgrenzbar, aber es gibt auch andere Beispiele aus dem Verkehrsbereich, wo sich Dinge nicht durchsetzen lassen. Außerdem: im Verkehrsbereich „verbindet“ der Unfall. Alle arbeiten zusammen. Bei anderen Unfallarten gibt es viel mehr Unterschiede (z.B. Verbrennen, Ertrinken - ganz verschiedene Partner)
• Bewegungsförderung: noch mehr Kooperation und Synergie-Effekte
• Verkehrsministerium: achtet sehr darauf, dass geplante Maßnahmen zur Sicherheit auf den Verkehr bezogen sind (Ressortaufteilung).
• Helmpflicht als Beispiel für die Enge gesetzlicher Möglichkeiten: Helme für alle Radfahrer nicht durchsetzbar – deshalb (für Kinder) nicht eingeführt
• Verkehrsunfall ist ein allzeit diskutierbares öffentliches Thema – der Unfall zu Hause ist ein privates Thema Jedoch sollten Unfälle als ein Panorama gesehen werden. Sicheres Verhalten, soziale Umstände, Lebenszusammenhänge sollte betrachtet werden, die übergreifend für alle Unfallarten wirksam sind.

3. Wünsche und Ziele: wenn Geld da wäre, wofür würden die Teilnehmer/-innen es ausgeben

• Bewegungsförderung durch Sportvereine, kombiniert mit Bewegungserziehung in Schulen (vor allem in neuen geplanten Ganztagsschulen) intensivieren
• Besseres Schulklima erzeugen
• Kompetenzförderung bei Kindern, Gefahrenbewusstsein stärken, soziale Kompetenzen fördern
• Kinder ausbilden in Erster Hilfe
• Ganzheitliche lokale Sicherheitsprojekte in sozialen Brennpunkten (einschließlich Kriminalitäts- und Gewaltprävention)
• Multiplikatoren und Eltern sensibilisieren, gerade für die Bedeutung von Heim- und
• Flächendeckende Schulungsmaßnahmen für Eltern und Großeltern, Erzieher: wie wächst ein Kind sicher auf
• Schaffung von Bewegungsbereichen, in denen sich motorische Fähigkeiten spielerisch entwickeln
• Ansetzen in Kindergärten mit Gesundheitserziehungsprojekten und Erzieherinnenfortbildungen
• Frühförderung des Radfahrens, Verkehrserziehung fortsetzen
• Normungsarbeit nicht nur von Vertretern der Arbeitswelt, sondern unter Beteiligung von Vertretern des Kinder- und Jugendbereichs machen
• Mehr Forschung zu Unfallursachen und zur Entwicklung des Gefahrenbewusstseins
• Sinnvolle Prioritätensetzung durch Gremienarbeit
• Koordination: Effektivität sichern, Durchführbarkeit, Verbindung nationale – örtliche Ebene
• Bundesweite Aufklärungsarbeit
• Flächendeckende lebensfähige Strukturen schaffen
• Regionale Zweigstellen des „Sicheren Hauses“ für bessere Medienpräsenz
• Flächendeckende Unfallverhütungskurse für Eltern von Kindern im 1. Lebensjahr, auch fremdsprachig
• Bessere Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zwecks Präventionsberatung vor Ort
• Beauftragung eines Forschungsinstituts mit der Frage, wie kann man Sicherheitsbewusstsein schaffen
• Gesetzliche Verankerung von Brandmeldern
• Vorbereitung von Eltern auf ihre Erziehungsaufgabe
• Einführung fremdsprachiger Materialien

4. Fazit:

Ein nationales Präventionsprogramm ist anzustreben, das sowohl Forschung, nationale Aufklärungsarbeit und Koordination als auch Aktionen vor Ort beinhaltet.



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