Pressekonferenz Kindersicherheitstag 2008
„Kinder wollen Sicherheit!“
10. Juni 2008, 11.30 Uhr
Statement von Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind
und Sprecher der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland
Unfälle sind keine Zufälle
Kinder haben ein Recht auf bestmögliche Unfallprävention
Kinder haben ein elementares Bedürfnis, bestmöglich vor Unfällen geschützt zu werden. Und sie haben ein Recht dazu. Gemäß Artikel 24 der auch von Deutschland ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind ein Recht „auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit“. Hierzu gehört auch ein effektiver präventiver Unfallschutz.
Auf dem Weltkindergipfel 2002 in New York wurde ein Internationaler Aktionsplan zur Umsetzung der Kinderrechte beschlossen. Darin verpflichten sich alle Staaten, „durch die Ausarbeitung und Durchführung geeigneter Vorbeugungsmaßnahmen dafür (zu) sorgen, dass weniger Kinder bei Unfällen oder auf andere Weise verletzt werden“. In dem 2005 beschlossenen „Nationalen Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland 2005-2010“ identifiziert die Bundesregierung sechs vordringliche Maßnahmen, durch deren Verwirklichung Unfälle mit Kindern im Haus- und Freizeitbereich ebenso wie im Straßenverkehr reduziert werden sollen:
- flächendeckende Information von Eltern, Kindern und Jugendlichen über alterstypische Unfallgefahren;
- stärkere Beachtung der präventiven Wirkung von Sport und Bewegung im Hinblick auf Unfälle;
- Durchführung von Programmen zur kindgerechten Vermittlung des Umgangs mit riskanten Situationen;
- Vereinbarungen mit der Industrie über technische Unfallschutzmaßnahmen und Prüfplaketten;
- Ausbau eines sicheren Radwegenetzes;
- Schaffung gesetzlicher Regelungen, die den Kommunen Flexibilität für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen verschaffen.
Ein besonderes Augenmerk muss auf die Vorbeugung von Unfällen im Haus- und Freizeitbereich liegen, in dem sich etwa zwei Drittel der Kinderunfälle ereignen. Während die Zahl der tödlich verlaufenden Kinderunfälle im Verkehr in den vergangenen Jahrzehnten stark gesenkt werden konnte, steckt die Prävention von Heim- und Freizeitunfällen noch in den Kinderschuhen. Dabei könnten auch hier mit vergleichsweise geringem Aufwand große Erfolge erreicht werden.
Unfälle sind keine Schicksalsschläge. Sie haben Ursachen, die festgestellt und zum großen Teil verhindert werden können. Besonders betroffen sind benachteiligte und psychosozial belastete Kinder. Wissenschaftlich fundierten Schätzungen zufolge lässt sich die Mehrzahl der Unfälle – darunter fast alle tödlich verlaufenden – durch verbessertes Wissen, durch die Verwendung von Sicherheitsartikeln und nicht zuletzt durch kinderfreundliche, sozial gerechte Lebensbedingungen vermeiden.
Präventiver Kinderunfallschutz muss in ein Gesamtkonzept verbesserten Kinderschutzes und der stärkeren Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eingebettet werden. Altersgerechte Information und technische Unfallschutzmaßnahmen gehören ebenso dazu wie die Beachtung des Kindeswohlvorrangs in der Verkehrs-, Stadt- und Regionalplanung und die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz.
