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Kindersicherheitstag 2003:
Auf die Plätze. Fertig. Los.
Unfälle in der Freizeit vermeiden.
11. Juni 2003
Interview mit Bundesministerin Ulla Schmidt zum Kindersicherheitstag 2003
Sehr geehrte Frau Ministerin, warum unterstützen Sie den Kindersicherheitstag der BAG zum Thema Kinderunfälle in der Freizeit?
Ulla Schmidt: Unfälle sind das Gesundheitsrisiko Nummer eins für Kinder und Jugendliche. Für mich, die ich einen Schwerpunkt auf Prävention lege, zählt ganz besonders: Unfälle sind durch vorbeugende Maßnahmen vermeidbar. Jährlich könnten etwa 1 Million Kinderunfälle verhindert werden: in Schule und Straßenverkehr, zu Hause und in der Freizeit. Das Ministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung unterstützt den Kindersicherheitstag, weil er auf dieses präventive Potenzial setzt: er sensibilisiert Kinder, Eltern und Betreuungspersonen für Gefahren und informiert die Bevölkerung über Unfallschutz. Gerade ältere Kinder verunglücken gehäuft in der Freizeit. Deshalb ist es wichtig, bereits Kinder - bevor sie zu risikofreudigen Jugendlichen werden - mit sicherheitsbewusstem Verhalten vertraut zu machen, z.B. wie man sich durch Sicherheitsausrüstungen schützt, etwa beim Radfahren oder Skaten, und dass durch Vorsicht und Fairness im Umgang miteinander Unfälle zu vermeiden sind.
In den vergangenen Jahren sind schon große Anstrengungen unternommen worden. Was hat die Unfallprävention bisher geleistet?
Ulla Schmidt: Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Jahr 1997 den Aufbau eines nationalen Netzwerks und Aktionsbündnisses zur Verhütung von Kinderunfällen initiiert und finanziell gefördert. Dieses Bündnis hat sich zu einem gemeinnützigen Verein, zu einem Dachverband für alle in der Unfallprävention Engagierten, weiterentwickelt. Ich freue mich, dass mit diesem Verein, der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V., eine Grundlage für den weiteren Ausbau der Kinderunfallprävention in Deutschland geschaffen worden ist. Auch bei der internationalen Zusammenarbeit sind wir in den letzten Jahren voran gekommen. Und nicht zuletzt: der Kindersicherheitstag, der in diesem Jahr zum vierten Mal begangen wird, ist inzwischen zu einer festen Größe geworden.
Kindersicherheit geht uns alle an. Was muss Ihrer Meinung nach die Politik leisten, wann sind Verbände und wann sind Eltern, Großeltern, Erzieher oder Babysitter gefragt?
Ulla Schmidt: Prävention von Kinderunfällen ist eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hieran müssen alle Beteiligten,
Möbelhersteller, Stadtplaner, Architekten, die Haushaltsgeräteindustrie,
aber auch die Politiker und Politikerinnen in Bund, Land und Kommune
arbeiten. Besonders wichtig ist es, dass Eltern, Großeltern
und Bezugspersonen, z.B. in Kindergarten und Schule, über
Unfallschwerpunkte und Präventionsmöglichkeiten informiert
sind. Deshalb sind solche Kooperationen notwendig wie die Bundesarbeitsgemeinschaft
Mehr Sicherheit für Kinder, damit Informationen und Tipps
zur Unfallvorbeugung weitergegeben werden.
Dabei kann gar nicht früh genug mit der gesundheitlichen Aufklärung
schon bei Kindern und Jugendlichen begonnen werden. In meinem Auftrag
führt deshalb die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung zahlreiche Aktionen in Kindergärten, Schulen
und Jugendzentren durch. Auch das „Aktionsprogramm Umwelt
und Gesundheit“ der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt Kindergesundheit
hat zum Ziel, gesundheitsfördernde Bedingungen zu schaffen.
Die Welt verändert sich ständig. Wie muss eine erfolgreiche Präventionsarbeit der Zukunft aussehen?
Ulla Schmidt: Wir sind gerade dabei, der Prävention einen
sehr viel höheren Stellenwert in der gesundheitlichen Versorgung
zu verschaffen als bisher. Durch die Wiedereinführung der
Prävention als Leistung der Krankenkassen, können die
Krankenkassen auch in der Schule gesundheitsfördernde Maßnahmen
durchführen. Mit der Gründung des Deutschen Forums für
Prävention und Gesundheitsförderung im letzten Jahr haben
wir eine Ausgangsbasis geschaffen, damit viele Akteure gemeinsam
die gleichen Ziele verfolgen. Dies wird unterstützt durch
die Arbeit an nationalen Gesundheitszielen, die auf einem guten
Weg ist. Die Förderung der Kindergesundheit ist eines der
vereinbarten Ziele, die jetzt umgesetzt werden. Und wir werden
mit dem von uns geplanten Präventionsgesetz die rechtlichen
Grundlagen für eine erfolgreiche Präventionsarbeit sichern
und aufbauen.
Wichtig ist mir auch, über unsere nationalen Grenzen hinweg,
aus Erfahrungen anderer Länder mehr als bisher zu lernen.
Modelle aus anderen Ländern zeigen, dass die Zahl der Unfälle
um bis zu 60 % verringert werden kann. Daran müssen alle Beteiligten
gemeinsam arbeiten, denn Unfälle sind keine Zufälle,
sondern sie sind weitgehend vermeidbar.
