Beschlüsse/Entschliessungen des 104. Deutschen Ärztetages
in Ludwigshafen vom 22. bis zum 25. Mai 2001
Auszug
Prävention
1. Bericht “Verletzungen und deren Folgen – Prävention als ärztliche Aufgabe”
Auf Antrag des Vorstandes der- Bundesärztekammer (Drucksache
V-2) beschließt der 104. Deutsche Ärztetag mit großer
Mehrheit:
Der 104. Deutsche Ärztetag nimmt den Bericht der Arbeitsgruppe “Prävention
von Unfällen” zustimmend zur Kenntnis und fordert die
Verantwortlichen in der Gesundheits-, Sozial- und Verkehrspolitik,
bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Krankenkassen
und den Unfallversicherungsträgern auf, die darin enthaltenen
Vorschläge und Ziele mit Nachdruck zu unterstützen. Insbesondere
die nachfolgenden Vorschläge sollen mit Priorität realisiert
werden, um eine effektive Verminderung der Häufigkeit von
Verletzungen in Deutschland zu erreichen:
1. Aufbau eines nationalen Unfallpräventionsprogramms;
2. Verbesserung der interdisziplinären Forschung zu Ursachen von Unfällen und Verletzungen;
3. Dokumentation und Adaptation erfolgreicher internationaler Programme zur Unfallprävention;
4. Initiierung und Unterstützung von Präventionsprogrammen in Zusammenarbeit mit kommunalen Gesundheitskonferenzen, Berufsgruppen, Betrieben, Schulen;
5. In der ambulanten und stationären Versorgung vertiefte altersgruppenspezifische ärztliche Diagnostik Beratung und interdisziplinäre Kooperation bezüglich von Gefährdungen durch Verletzungen einschließlich der hierzu erforderlichen Rahmenbedingungen;
6. Im öffentlichen Gesundheitsdienst verstärkte aufsuchende Präventionsmaßnahmen durch den kinder- und jugendärztlichen Dienst;
7. Bevorzugter Einsatz wissenschaftlich geprüfter Präventionsmaßnahmen;
8. Sicherstellung der Einbeziehung ärztlicher Erfahrung und medizinischer Sachkompetenz bei Herstellung und Testung potentiell unfallträchtiger Produkte;
9. Verstärkte Berücksichtigung der Präventionsthematik in den Curricula der Aus-, Weiter- und Fortbildung der Gesundheitsberufe, in erster Linie im Rahmen des Medizinstudiums sowie der postgradualen Public-Health-Studiengänge;
10. Verbesserung der kommunalen Unfallberichterstattung in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen sowie eine Stärkung kommunaler Unfallpräventionsmaßnahmen.
Konkret sind u. a. folgende Präventionsmaßnahmen mit Nachdruck zu realisieren:
Sicherheitsbestimmungen für Kinderwickeltische,
-betten und -hochstühle; Treppen-, Balkon- und Fenstersicherungen;
Verbot des sog. Gehfrei; Koordinations- und Bewegungsförderung
für
Kinder; Teichabdeckungen; Wartung und Instandsetzung von Spielplätzen
und -geräten gemäß DIN EN 1176-7; Maßnahmen
zum Abbau von Alkoholkonsum im Straßenverkehr
bei Jugendlichen und Erwachsenen; Tragen von Schutzausrüstungen
im Sport (z.B. Handgelenk, Ellenbogen- und Knieprotektoren, sowie
Helme beim Inline-Skating). Aufforderung aller älterer Verkehrsteilnehmer
zur Selbstprüfung
auf Eignung zur Verkehrsteilnahme ggf. unter Hinzuziehung eines
Arztes; ärztliches Assessment von Sturzrisikofaktoren im Alter
(z. B. orthostatische Hypotension, Medikamentenwirkungen, Gleichgewichtsstörungen)
sowie Assessment der häuslichen Umgebung auf Unfallgefahren
(Haltegriffe, Beleuchtung) und hierauf abgestimmte Präventionsmaßnahmen.
