07. Juli 2003
Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V.
BAG-Präsidentin: „Kinder ertrinken leise“
Aufmerksamkeit ist Vorsichtsmaßnahme Nr.1 beim Baden
Bonn/Berlin – „Pack die Badehose ein“ – wenn die Sonne vom Himmel lacht, können Eltern mit diesem Satz auch ein Lachen auf das Gesicht ihrer Kinder zaubern. Der Badespaß ist bei den Kleinen im Sommer ganz groß. Für Mutter und Vater bedeutet der Ausflug zum See oder ins Schwimmbad aber auch erhöhte Aufmerksamkeit, denn Ertrinken ist die zweithäufigste Unfallursache, die zum Tod von kleinen Kindern führt. Gemeinsam mit der European Child Safety Alliance (ECOSA) wollen die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ (BAG) und ihr Hauptförderer Johnson & Johnson im Rahmen der europaweiten Initiative „Be Waterwise“ auf diese Gefahr aufmerksam machen.
„Kinder ertrinken leise“, sagte BAG-Präsidentin Dr. Stefanie Märzheuser. „Man hört nur einmal ein Platschen. Durch Zappeln können sie nicht mehr an die Oberfläche kommen, da kleine Kinder eine andere Verteilung des Körpergewichts haben als Erwachsene“, sagte die dreifache Mutter, die als Kinderchirurgin an der Charité in Berlin arbeitet. Kinder kämen deshalb nicht mehr – wie viele Eltern glaubten - für einen kurzen Augenblick nach oben; sie würden vielmehr wie ein Stein zu Boden sinken. Deshalb würden Eltern gar nicht merken, dass das Kind ertrinkt.
„Bei der Rettung stehen die Chancen bei alles oder nichts, weil das zeitliche Fenster so eng ist“, sagte Märzheuser. Innerhalb weniger Minuten komme es im Gehirn aufgrund von Sauerstoffmangel zu irreparablen Schäden.
Nach ECOSA-Erkenntnissen verunglücken Kinder bis zu zwei Jahren am häufigsten in der Badewanne, gefolgt von Gartenteichen bei den Ein- bis Dreijährigen und offenen Gewässern bei den Zwei- bis Sechsjährigen. Die meisten Unfälle bei Kindern über sechs Jahre passieren in Schwimmbädern; bei den über Achtjährigen sind das Meer oder Seen besondere Gefahrenpunkte.
Doch so weit muss es nicht kommen. „Kinder sollten nie alleine und unbeobachtet in den Nähe von Wasser sein“, sagte die BAG-Präsidentin. Ertrinken ist keine Frage der Wassertiefe. Kleine Kinder können in wenigen Zentimeter flachem Wasser ertrinken, wenn sie mit dem Gesicht hinein fallen.
Säuglinge sollten laut BAG nur in speziellen Babywannen baden und dabei auf keinen Fall allein sein. Erwachsene sollten sich niemals – auch nicht für kurze Zeit - weg bewegen. Das gleiche gilt für Kleinkinder, die nie allein baden sollten. Sie verlieren in der gefüllten Wanne auf dem glitschigen Boden schnell den Halt, da der Körper sehr leicht ist. Eine Noppeneinlage kann Abhilfe schaffen. Aber auch größere Kinder sind gefährdet, weil sie in der Wanne gerne toben - was schlimmstenfalls dazu führt, dass der Kopf aufschlägt, das benommene Kind untertaucht und ertrinkt.
Im Altern von vier Jahren empfiehlt Märzheuser, Kindern das Schwimmen beizubringen. „Auch wenn sie nicht direkt schwimmen können, lernen sie, sich im Wasser richtig zu bewegen“, sagte die BAG-Präsidentin. Die ersten Züge im Wasser können zwar Schwimmflügelchen erleichtern, dennoch sind Schwimmtiere, -reifen und -ringe keine geeigneten Schwimmhilfen. Hilfreich sind Flügelchen mit zwei aufblasbaren Luftkammern, die am Arm des Kindes zu befestigen sind, Klettverschlüsse sind ungeeignet. Auch bereits gute Schwimmer sollten nie alleine gelassen werden. „Lieber einmal zu viel vorsichtig sein und hinterher springen, als einmal zu wenig“, sagte Märzheuser.
Wenn man auf einen Swimmingpool oder einen Teich im Garten
nicht verzichten möchte, kann diese durch entsprechende Maßnahmen
sichern wie durch einen nicht zu erkletternden, mindestens einen
Meter hohen Zaun und einen Bewegungsmelder. „Jedes dieser
Mittel allein reicht nicht, es macht die Kombination aus“,
sagte Märzheuser.
Sicheres Baden im Schwimmbad – ein paar Tipps von BAG-Mitglied,
Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG):
- Vor dem Sprung ins kühle Nass, heißt es Abkühlen. Das Wasser sollte sofort verlassen werden, wenn der Schwimmer friert.
- Nur springen, wenn das Wasser tief genug und frei ist!
- Sumpfige und pflanzen-durchwachsene Gewässer sind zu meiden!
- Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich!
- Niemals mit vollem oder ganz leerem Magen baden!
- Nie Kraft und Können im freien Gewässer überschätzen.
- Nur um Hilfe rufen, wenn tatsächlich Gefahr besteht.
Über die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ (BAG)
Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V." (BAG) mit Sitz in Bonn ist ein bundesweit tätiger Verein. Sie wurde 1998 unter dem Dach der Bundesvereinigung für Gesundheit e. V. auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit und mit Unterstützung des Gründungsförderers Johnson & Johnson ins Leben gerufen. Ziel des Vereins ist es, Kinderunfälle zu reduzieren, innovative Präventionsmaßnahmen für Heim und Freizeit sowie Kooperationen auf nationaler und internationaler Ebene voran zu bringen. Mitglieder sind unter anderem Ärzte- und Sportverbände sowie Rettungsorganisationen und technische Dienstleister.
Ansprechpartnerin BAG:
Karoline Becker
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