Studien und Expertisen

Studien und Expertisen Abb: Studien und Expertisen

Um Projekte und Maßnahmen bedarfsgerecht und wissenschaftlich gestützt zu entwickeln, bilden Studien und Expertisen eine wichtige Grundlage. In dieser Rubrik erhalten Sie für Ihre fachliche Arbeit fundierte Untersuchungen und Analysen rund um die Kinderunfallprävention.

Prävention von Verletzungen bei kleinen Kindern 2014 Diagram aus Studie von Dr. Ellsäßer

Dr. G. Ellsäßer, Dr. G. Trost-Brinkhues, Dr. M. Albrecht

Zum Hintergrund

Verletzungen stellen weltweit für Kinder eine massive Bedrohung für Leib und Leben dar.

Epidemiologische Studien in Deutschland zeigen, dass bei Verletzungen Säuglinge und kleine Kinder am stärksten gefährdet und schutzbedürftig sind.

Verletzungen sind für Kinder ab 1 Jahr die häufigste Todesursache und die Hauptursache für eine Behinderung in Europa. In der Europäischen Union muss nach einem Bericht zu Verletzungen aus dem Jahr 2013 jedes Jahr eines von 10 Kindern unter 15 Jahren in Europa notfallmäßig ärztlich behandelt werden. Die Kinder unter 5 Jahren verunglücken in 60 % aller Fälle zu Hause, insbesondere bedingt durch Stürze.

Ein starker Abwärtstrend kann bei den tödlichen Verletzungen in Europa beobachtet werden und beruht auf einer Verbesserung der Sicherheit von Kindern europaweit, beispielsweise durch Kinderrückhaltesysteme (PKW), Schwimmbadumzäunung, Rauchmelder und Fensterriegel.

Obwohl die Mortalitätsrate durch Verletzungen in Ländern mit hohem Einkommen laut einem UNICEF-Bericht aus dem Jahr 2001 für Europa in den letzten 20 Jahren stark abgenommen hat, trägt sie 40 % zu der Mortalität von Kindern und Jugendlichen bei.

Ziel des Beitrages ist daher, aus wissenschaftlicher Sicht darzustellen, welche Maßnahmen in der Unfallprävention für diese Altersgruppe als erfolgreich gelten. Es werden einerseits internationale Fachempfehlungen, andererseits evidenzbasierte Erkenntnisse zu Interventionen auf der Grundlage von Cochrane Reviews vorgestellt.

Die Prävention von Verletzungen bei kleinen Kindern sollte einen komplexen und datengestützten Ansatz verfolgen. Die Frühen Hilfen auf kommunaler Ebene sind besonders geeignet, die Unfallprävention im häuslichen Bereich zu integrieren, da sie mit Familienbesuchsprogrammen verbunden sind.

Der vollständige Artikel ist erschienen in: Bundesgesundheitsbl 2014 · 57:681–686

KiGGS Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – 2003-2016 Foto der KIGGS Studienbroschuere

KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Die Studie liefert wiederholt bundesweit repräsentative Daten zur Gesundheit der unter 18-Jährigen. Weiterhin werden die Kinder und Jugendlichen der ersten KiGGS-Studie wiederholt eingeladen und bis ins Erwachsenenalter begleitet.

17.641 Jungen und Mädchen im Alter von 0 bis 17 Jahren nahmen in den drei Studienjahren mit ihren Eltern an der KiGGS-Basiserhebung (2003-2006) teil.

Bei den Einflussfaktoren stehen der sozioökonomische Status, Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegung und Sport, Familienform sowie Stillen im Mittelpunkt. Für den Bereich der körperlichen Gesundheit wurden Allergien, chronische Erkrankungen, Unfälle sowie impfpräventable Krankheiten betrachtet, die für einen Großteil der Krankheitslast im Kindesalter verantwortlich sind. Im Bereich der psychischen Gesundheit wird die Frage untersucht, ob psychische Auffälligkeiten, einschließlich ADHS, häufiger geworden sind.

Die Auswirkungen von gesundheitlichen Risiken und Krankheiten auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität werden in einem eigenen Artikel dargestellt. Zudem stellen die RKI-Wissenschaftler Trends bei ambulanten Leistungen des Gesundheitswesens vor und betrachten als Beispiel für die Evaluierung von präventiven Maßnahmen die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV).

Das Robert Koch-Institut hat die Ergebnisse aus KiGGS Welle 1 (2009-2012) in einer Broschüre zusammengestellt. In der Publikation finden sich erste Ergebnisse zum gesundheitlichen Wohlbefinden, zu sportlicher Betätigung, Unfallverletzungen, HPV-Impfquote, Allergien, Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum sowie zur Nutzung von Bildschirmmedien.

Die nächste Datenerhebung KiGGS Welle 2 (2014-2016) begann, im September 2014 als sogenannter Untersuchungssurvey in den 167 Städten und Gemeinden, mit Befragungen und medizinischen Untersuchungen, einschließlich Laboranalysen.

Die nächste Datenerhebung (KiGGS Welle 2) beginnt im September 2014 als sogenannter Untersuchungssurvey in den 167 Städten und Gemeinden, mit Befragungen und medizinischen Untersuchungen, einschließlich Laboranalysen. - See more at: www.kindersicherheit.de/nc/service/pm/presse/neue-daten-zur-kinder-und-jugendgesundheit.html

Die Basispublikation ist in der Juli-Ausgabe 2014 der Fachzeitschrift „Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz“ im Springer-Verlag erschienen. In diesem Heft finden Sie 14 Einzelbeiträge mit Ergebnissen der ersten Folgebefragung der KiGGS-Studie "KiGGS Welle 1".

Alle 14 Einzelbeiträge finden Sie hier als Download.

Weiter Information finden Sie unter www.kiggs-studie.de

Der AXA Kindersicherheitsreport 2015

Hitze- und Feuergefahren

Mit dem AXA Kindersicherheitsreport 2015, einer Studie zur Gefahrenwahrnehmung und Prävention, möchte AXA auf das Thema „Hitze-und Feuergefahren“  aufmerksam machen.

Der AXA Kindersicherheitsreport 2015 zeigt, dass viele Eltern die Gefahren durch Feuer und Hitze unterschätzen, nicht ausreichend informiert sind und nur wenige Eltern Schutzmaßnahmen treffen.

Die repräsentative Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut GfK und der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. im Juni 2015 mit 1.007 Eltern durchgeführt und möchte Eltern für verschiedene Feuer- und Hitzegefahren im kindlichen Alltag sensibilisieren.

Der AXA Kindersicherheitsreport 2014

Gefahren im und am Wasser

Kennen sich Eltern mit den besonderen Gefahren für Kinder im und am Wasser aus, und wie gehen sie damit um? Wie handhaben sie zum Beispiel die Aufsicht von Kleinkindern, wann und wie lernen Kinder schwimmen, und wann darf der Nachwuchs ohne erwachsene Begleitung ins Schwimmbad oder an den See?

Der AXA Kindersicherheitsreport 2014 zeigt, dass das Wissen von Eltern rund um Wassergefahren lückenhaft ist. So schätzt die Mehrheit der Befragten die Signale des Ertrinkens von Kindern falsch ein. Ebenfalls ist vielen Eltern nicht bewusst, dass für Kleinkinder selbst seichtes Wasser Gefahren birgt. Und obwohl fast jeder achte Befragte angibt, sein Kind musste schon einmal aus dem Wasser gerettet werden, sichert nur rund die Hälfte der Eltern offene Wasserflächen rund um Haus und Wohnung vollständig ab.

Für den AXA Kindersicherheitsreport 2014 hat das Meinungsforschungsinstitut forsa im April 2014 1.018 Eltern online befragt. Die Ergebnisse der quantitativen Studie sind repräsentativ für Eltern mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt

 

Der AXA Kindersicherheitsreport 2013

Wo drohen Kindern aus Sicht von Eltern und Pädagogen die größten Gefahren? Was unternehmen sie, um Kinder davor zu schützen? Und stimmt die subjektive Wahrnehmung mit der Realität überein?

Der AXA Kindersicherheitsreport 2013 beleuchtet Kindersicherheit sowohl unter physischen als auch unter psychischen Aspekten aus der Perspektive von Eltern, Pädagogen sowie Kindern und liefert zahlreiche Antworten auf diese Fragen. Fachlich begleitet wurde die Studie von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V., der führenden Dachorganisation in Fragen der Unfallverhütung und Kooperationspartner von AXA. Ziel der Studie ist unter anderem, Diskrepanzen zwischen Gefahrenwahrnehmung und objektivem Risiko herauszustellen und so Eltern für unterschätzte Gefahren zu sensibilisieren.

Für den AXA Kindersicherheitsreport hat das Meinungsforschungsinstitut forsa zwischen Ende August und Anfang September 2013 rund 1.100 Eltern von Kindern unter 18 Jahren sowie 341 Erzieher und Lehrer befragt. Dieser quantitativen Befragung ging eine qualitative Phase mit Gruppendiskussionen und Interviews voraus, an der neben Eltern, Erziehern und Lehrern auch Kinder teilnahmen. Der AXA Kindersicherheitsreport ist Teil der AXA Kindersicherheitsinitiative. Der Versicherungskonzern möchte über Prävention durch Aufklärung zu einem sicheren Aufwachsen von Kindern in Deutschland beitragen. 

Der Bericht zur Studie

Die Studienergebnisse im Detail

 

Über den AXA Kindersicherheitsreport

Der AXA Kindersicherheitsreport wurde 2013 erstmals veröffentlicht und ist Teil der AXA Kindersicherheitsinitiative. Der Versicherungskonzern möchte über Aufklärung zu einem sicheren Aufwachsen von Kindern in Deutschland beitragen. Vorrangiges Ziel ist es, Eltern für unterschätzte Gefahren zu sensibilisieren.

Fachlich begleitet wird die Studienreihe von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V., der führenden Dachorganisation in Fragen der Unfallverhütung und Kooperationspartner von AXA. 

Weiterführende Informationen finden Sie auch auf den Seiten der AXA.

Für Qualifizierungsmaßnahmen von Tagespflegepersonen

Durch den Ausbau des Angebotes zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren werden immer mehr Kinder in diesem Alter außerhalb der Familie betreut. Die Kindertagespflege ist dabei neben der Betreuung der Kinder in Kindertagesstätten ein zweiter Baustein des professionellen, qualifizierten Betreuungssystems.

Um eine Pflegeerlaubnis zu erhalten, ist eine Qualifikation erforderlich, die bisher zumeist nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) „Qualifizierung in der Kindertagespflege“ erfolgte. Im Rahmen des Projektes „Kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege“ hat das DJI den Auftrag durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erhalten, ein kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege zu erstellen und damit die Grundqualifizierung von Tagespflegepersonen konzeptionell neu auszurichten.

Die vorliegende Expertise „Unfallverhütung und Kindersicherheit in der Kindertagespflege“, die von der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. im Auftrag durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wurde, dient als Grundlage für die Behandlung des Themas Unfallverhütung und Kindersicherheit im Qualifizierungshandbuch des DJI. Im Rahmen der Expertise werden die fachlich relevanten und prioritären Inhalte der Unfallprävention für Kindertagespflegepersonen sowie die erforderlichen Kompetenzen herausgearbeitet.

Expertise "Unfallverhütung und Kindersicherheit in der Kintertagespflege" zum Download (PDF, 4 MB)

Das Statistische Bundesamt hat den neuen Fachbericht "Unfälle, Gewalt und Selbstverletzungen bei Kindern und Jugendlichen" herausgegeben, in dem detaillierte Ergebnisse aus der amtlichen Statistik und epidemiologische Analysen zum Unfall- und Verletzungsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen 2013 zusammengestellt sind. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind Unfälle, Gewalt und Selbstverletzungen die häufigsten Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 19 Jahren.
 
Der Bericht steht hier zum Download zur Verfügung.

Die repräsentative Studie "Wie gefährdet ist mein Kind" der GfK Finanzmarktforschung im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt, dass Gefahrenwahrnehmung und die Realität des Unfallgeschehens sich widersprechen: 85 % der befragten Eltern sehen das Risiko, dass Kinder im Straßenverkehr verunglücken, als Hauptunfallgefahr für ihre Kinder. Das eigene Zuhause beunruhigt Eltern hingegen kaum: 82 Prozent der Eltern glauben, dass das Unfallrisiko für ihr Kind zuhause oder im Garten gering ist.

Dabei sind 60 Prozent der Unfälle in den befragten Familien zuhause passiert, dagegen nur 14 Prozent im Straßenverkehr. Ein gutes Drittel aller Kinder (34 Prozent) hatte bereits einen Unfall. Bei Kindern im Alter ab sechs Jahren nahm der Anteil der Verkehrsunfälle zwar zu, aber doppelt so häufig passierten Unfälle zuhause und in der Freizeit. Kinder bis fünf Jahren erlitten zu 66 Prozent Unfälle zuhause. Risiken im Haushalt werden also ganz erheblich unterschätzt.

Auch die Statistiken der Unfallversicherer bestätigen dies: So geht der Anteil der Verkehrsunfälle bei Kindern seit Jahren stetig zurück und lag 2010 bei unter 16 Prozent, für die eine Leistung in der Kinderunfallversicherung erbracht wurde. Bei Kindern bis zu fünf Jahren geschieht nur jeder zehnte Unfall im Straßenverkehr.
Die meisten Unfälle sind Stürze (57 Prozent). Allerdings halten nur 15 Prozent der Eltern dies für die größte Unfallgefahr. Am häufigsten ist bei einem Unfall der Kopf des Kindes betroffen: In 37 Prozent der Unfälle war nach den Angaben der Eltern der Kopf verletzt. Den Daten der Unfallversicherer zufolge ist der Anteil der Kopfverletzungen umso höher, je jünger das Kind ist. Er liegt bei den Sechsjährigen bei 33 Prozent, bei den Drei- bis Vierjährigen ist bei jedem zweiten Unfall eine Verletzung des Kopfes die Folge, bei Einjährigen bei rund 70 Prozent.

Die Studienergebnisse können hier als PDF-Datei herunter geladen werden.

Genf, 12. Juli 2012 – Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Gewalt erleben, ist für Kinder mit Behinderungen fast viermal so hoch wie für nicht behinderte Kinder. Dies zeigt eine Untersuchung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Auftrag gegeben wurde und heute in der Medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde.  

Die Studienergebnisse zeigen, dass Kinder mit Behinderungen insgesamt 3,7mal mehr als nicht behinderte Kinder in Gefahr sind, unterschiedliche Arten von Gewalt zu erfahren. 3,6mal mehr sind sie Opfer von körperlicher Gewalt, und 2,9mal öfter Opfer von sexueller Gewalt. Kinder mit geistiger Behinderung oder intellektueller Beeinträchtigung sind am meisten gefährdet; 4,6mal höher als bei nicht behinderten ist das Risiko sexueller Übergriffe.

Die Untersuchung liefert sehr deutliche evidente Hinweise auf Gewalt gegen Kinder mit Behinderungen. Die 17 Studien, die in die Auswertung eingegangen sind, basieren auf Daten von 18 374 behinderten Kindern aus einkommensstarken Ländern – Finnland, Frankreich, Israel , Spanien, Schweden, Großbritannien und den USA – und unterstreichen die dringende Notwendigkeit hoch qualifizierter Forschung auch in Ländern mit kleineren und mittleren Einkommen.

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung belegen, dass Kinder mit Behinderungen überproportional von Gewaltübergriffen betroffen sind. Ihre Bedürfnisse sind zu lange vernachlässigt worden“, sagt Dr. Etienne Krug, Direktor des WHO-Departments Gewalt, Prävention und Behinderung. „Wir wissen, dass grundsätzliche Strategien  zur Prävention von Gewalt und der Abschwächung ihrer Folgen existieren. Wir müssen jetzt untersuchen, ob sie ebenso für Kinder mit Behinderung wirksam sind. Wir müssen eine Agenda für einen Aktionsplan aufstellen.“

Einflussgrößen, die behinderte Kinder einem höheren Risiko aussetzen, sind Stigmatisierung, Diskriminierung und Unwissen über Behinderung, ebenso wie ein Mangel an sozialer Unterstützung derer, die Behinderte betreuen. Leben behinderte Kinder in Einrichtungen, steigt das Risiko von Gewaltübergriffen an. Dort und auch in anderen Lebenszusammenhängen sind Kinder mit Kommunikationsdefiziten daran gehindert, über Gewalterfahrungen zu sprechen.  

Einige Programme, in denen Krankenschwestern Haushalte mit behinderten Kindern besuchten, über Gewaltrisiken informierten und die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz unterstützten, waren präventiv erfolgreich bei Gewalt gegen nicht behinderte Kinder. Diese Erkenntnisse, wie auch andere viel versprechende Maßnahmen, die in der WHO Prävention zur Misshandlung und Gewalt gegen Kinder formuliert sind, müssen auf behinderte Kinder übertragen werden, und ihre Wirksamkeit muss vorrangig überprüft werden.

Die UN Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterstreicht die Notwendigkeit, die Rechte der Kinder mit Behinderung zu schützen und ihre vollständige und gleiche Teilhabe in der Gesellschaft zu sichern. Dies beinhaltet, negative Erfahrung durch Gewalt in der Kindheit zu verhindern, was schädlichen Folgen für Gesundheit und Wohlergehen im späteren Leben hat. Wo Prävention versagt hat, sind Fürsorge und Unterstützung lebensnotwendig für die Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind.   

Der WHO/Welt Bank Welt Bericht zur Behinderung beschreibt die Verbesserungen bei Gesundheit und sozialer Teilhabe von Kindern mit Behinderung und fördert den Abbau von institutionalisierter Betreuung. Für behinderte Kinder, die weg von zu Hause in Einrichtungen leben, ist es zwingend erforderlich, ihre Versorgung und ihren Schutz zu verbessern, indem institutionelle Routinen und Strukturen, die das Risiko der Gewalt verstärken, angegangen werden.

„Die Auswirkung der Behinderung eines Kindes auf seine Lebensqualität ist extrem abhängig davon, wie andere Personen es behandeln, “ betont Dr. Mark Bellis, Direktor des Zentrums für Öffentliche Gesundheit an der John Moores Universität in Liverpool, das mit der WHO zur Gewaltprävention zusammenarbeitet, und Leitender Wissenschaftler der Untersuchung. „Regierung und Gesamtgesellschaft sind verpflichtet, sicherzustellen, dass solche Misshandlungen aufgedeckt und verhütet werden.“

Die Original-Pressemitteilung der WHO ist hier zu finden: http://www.who.int/mediacentre/news/notes/2012/child_disabilities_violence_20120712/en/index.html, der wissenschaftliche Beitrag in „The Lancet“ hier: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(12)60692-8/abstract

Die HBSC-Studie ist ein internationales Forschungsvorhaben, das darauf abzielt, die Gesundheit und das gesundheitsrelevante Verhalten von Heranwachsenden international vergleichend zu erfassen. Die Studie wird seit 1982 unter der Schirmherrschaft der WHO im 4jährigen Turnus in heute ca. 40 Teilnehmerländern (Europa und Nordamerika) durchgeführt. Deutschland nimmt mit einzelnen Bundesländern seit 1993/94 an der Studie teil. Die letzte Befragungswelle 2009/10 wurde mit Ausnahme von Baden-Württemberg in allen weiteren deutschen Bundesländern umgesetzt. Neben Erkenntnissen zu etlichen anderen Gesundheitsthemen bietet die Studie auch Ergebnisse zu den von den Schülerinnen und Schülern berichteten Verletzungen.

Faktenblatt: Methodik der HBSC-Studie (PDF)
Faktenblatt zur HBSC-Studie: Verletzungen von Kinder und Jugendlichen (PDF)

Dr. Gabriele Ellsäßer und Dr. Heidrun Kahl
Sturzunfälle sind der Schwerpunkt des Kindersicherheitstages 2010 und der Folgeinitiative gegen Stürze "Laufen. Springen Kletter. Sicher geht das". Epidemiologische Daten zu Sturzunfällen zeigen, dass Säuglinge und Kleinkinder eine Hochrisikogruppe sind und daher einen Schwerpunkt für die Prävention darstellen. In der vorliegenden epidemiologischen Analyse wurden die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, der europäischen Injury Data Base in Deutschland und der Gesetzlichen Unfallversicherung in Bezug auf Sturzunfälle bei kleinen Kindern < 5 Jahren ausgewertet.

Sturzunfälle bei kleinen Kindern (PDF)

Dr. Gabriele Ellsäßer

Mehr als 6.000 Kinder verbrennen oder verbrühen sich jährlich in Deutschland so stark, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Unfälle mit Wasserkochern verursachen besonders schwere Verletzungen. Viele dieser Unfälle könnten mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen verhindert werden; das ergibt eine Studie der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V., in der 332 Kinderkliniken zu Verletzungen durch Wasserkocher und zu den Unfallhergängen befragt wurden.

Thermische Verletzungen durch elektrische Wasserkocher (pdf-Format)

In Deutschland unterliegt das Baurecht der Gesetzgebungszuständigkeit der einzelnen Bundesländer. Daher kann jedes Bundesland für sich entscheiden, ob und in welcher Weise eine Klausel über die Rauchmelderpflicht in die jeweilige Landesbauordnung eingefügt wird. Aufgrund der landesrechtlichen Regelung gibt es keine einheitliche Pflicht und jedes Bundesland gestaltet sein eigenes Gesetz.

Gesetzliche Regelungen für Rauchwarnmelder in den Bundesländern

Stand: 21.11.2013

Baden-Württemberg

§ 15 Absatz 7 Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO-BW)

Aufenthaltsräume, in denen bestimmungsgemäß Personen schlafen, sowie Rettungswege von solchen Aufenthaltsräumen in derselben Nutzungseinheit sind jeweils mit mindestens einem Rauchwarnmelder auszustatten. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Eigentümerinnen und Eigentümer bereits bestehender Gebäude sind verpflichtet, diese bis zum 31. Dezember 2014 entsprechend auszustatten. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzern, es sei denn, der Eigentümer übernimmt die Verpflichtung selbst.

Bayern

Art. 46 Absatz 4 Bayrische Bauordnung (BayBO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, die zu Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Die Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet, jede Wohnung bis zum 31. Dezember 2017 entsprechend auszustatten. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzern, es sei denn, der Eigentümer übernimmt diese Verpflichtung selbst.

Berlin

Eine Pflicht zur Installation von Rauchmeldern besteht noch nicht. Die Einführung ist kurzfristig vorgesehen.

Brandenburg

Eine Rauchmelderpflicht soll zum 01. Januar 2014 eingeführt werden. Sie soll ab sofort für Neubauten gelten. Gebäude, die vor dem 01.01.2014 erstellt wurden, haben eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2020.

Bremen

§ 48 Absatz 4 Bremische Bauordnung (BremLBO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Die Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet, jede Wohnung bis zum 31. Dezember 2015 entsprechend auszustatten. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzern, es sei denn, der Eigentümer übernimmt diese Verpflichtung selbst.

Hamburg

§ 45 Absatz 6  Hamburgischen Bauordnung (HBauO)

In Wohnungen müssen Schlafräume, Kinderzimmer und Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Vorhandene Wohnungen sind bis zum 31.Dezember 2010 mit Rauchwarnmeldern auszurüsten.

 

Hessen

§ 13 Absatz 5 Hessische Bauordnung (HBO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Die Eigentümerinnen und Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet, jede Wohnung bis zum 31. Dezember 2014 entsprechend auszustatten. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzerinnen und Besitzern, es sei denn, die Eigentümerinnen oder die Eigentümer haben diese Verpflichtung übernommen.

Mecklenburg-Vorpommern

§ 48 Absatz 4 Mecklenburg-Vorpommersche Landesbauordnung (LBauO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Bestehende Wohnungen sind bis zum 31. Dezember 2009 durch den Besitzer entsprechend auszustatten. 

Niedersachsen

§ 44 Absatz 5 Niedersächsische Bauordnung (NBauO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. In Wohnungen, die bis zum 31. Oktober 2012 errichtet oder genehmigt sind, hat die Eigentümerin oder der Eigentümer die Räume und Flure bis zum 31. Dezember 2015 entsprechend den Anforderungen nach den Sätzen 1 und 2 auszustatten. Für die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft der Rauchwarnmelder in den in Satz 1 genannten Räumen und Fluren sind die Mieterinnen und Mieter, Pächterinnen und Pächter, sonstige Nutzungsberechtigte oder andere Personen, die die tatsächliche Gewalt über die Wohnung ausüben, verantwortlich, es sei denn, die Eigentümerin oder der Eigentümer übernimmt diese Verpflichtung selbst.

Nordrhein-Westfalen

§ 49 Absatz 7 Bauordnung für NRW (BauO NRW)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Dieser muss so eingebaut oder angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Wohnungen, die bis zum 31. März 2013 errichtet oder genehmigt sind, haben die Eigentümer spätestens bis zum 31. Dezember 2016 entsprechend den Anforderungen nach den Sätzen 1 und 2 auszustatten. Die Betriebsbereitschaft der Rauchwarnmelder hat der unmittelbare Besitzer sicherzustellen, es sei denn, der Eigentümer hat diese Verpflichtung bis zum 31. März 2013 selbst übernommen.

Rheinland-Pfalz

§ 44 Absatz 8 Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Bestehende Wohnungen sind in einem Zeitraum von fünf Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes entsprechend auszustatten.

Saarland

§ 46 Absatz 4 Landesbauordnung Saarland (LBauO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird.

Sachsen

Es existiert keine gesetzliche Regelung.

Sachsen-Anhalt

§ 47 Absatz 4 Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege aus Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so angebracht und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Die Rauchwarnmelder sind auf Verlangen für Menschen mit nachgewiesener Gehörlosigkeit mit optischen Signalen auszustatten. Bestehende Wohnungen sind bis zum 31. Dezember 2015 dementsprechend auszustatten.

Schleswig-Holstein

§ 49 Absatz 4 Landesbauordnung Schleswig-Holstein ((BauO S-H)

In Wohnungen müssen Schlafräume, Kinderzimmer und Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird. Die Eigentümerinnen oder Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet, jede Wohnung bis zum 31. Dezember 2010 mit Rauchwarnmelder auszurüsten. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzerinnen oder Besitzern, es sei denn, die Eigentümerin oder der Eigentümer übernimmt diese Verpflichtung selbst.

Thüringen

§ 46 Absatz 4 Landesbauordnung Thüringen (ThürBO)

In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird.

„Gehfrei“, „Lauflernhilfe“ oder „Babywalker“ sind Plastikgestelle auf Rollen mit eingebautem Sitz. Es wird damit geworben, dass Kinder mit Unterstützung der Geräte schneller und leichter Laufen lernen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen gegenteilige Effekte. Zudem berichten Ärzte von zahlreichen tragischen, folgenschweren Unfällen mit Lauflernhilfen!

Die BAG macht mobil gegen Lauflernhilfen

Lauflernhilfen gefährden Kleinkinder mehr, als dass sie ihnen nützen. Die unter den Namen „Gehfrei“, „Babywalker“, „Lauflernschule“ oder „Lauflernhilfe“ im Handel erhältlichen Geräte können Unfälle verursachen, bei denen Kinder zum Teil schwere Kopfverletzungen erleiden. Darauf weisen die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ (BAG) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJD) hin. Ihr Rat: Hände weg von Lauflernhilfen als Weihnachtsgeschenk!

„Eltern und Großeltern, die glauben, sie tun ihrem Nachwuchs etwas Gutes, wenn sie ihnen derartige Geräte schenken, täuschen sich“, betont Dr. Jörg Schriever vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, „jedes Kind lernt laufen. Dazu benötigt es seine ganz persönliche, individuelle motorische Entwicklungszeit. Der Glaube, die Bewegungsentwicklung durch die fälschlicherweise so genannten Lauflernhilfen zu fördern oder zu beschleunigen, ist ein Irrtum. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Lauflernschulen Vorteile bieten. Im Gegenteil, der „Gehfrei“ ist das gefährlichste Verwahrgerät im Säuglingsalter“.

Untersuchungen der Stiftung Warentest zufolge wird etwa die Hälfte der Kleinkinder ab dem Alter von sechs Monaten in die geräderten Plastikgestelle gesetzt, in denen sie sich halb sitzend strampelnd fortbewegen können und dabei kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu zehn km/h erreichen. Die netten gut ausgestatteten Geräte mit Spielbrett, Rassel und Figuren behindern eher die motorische altersentsprechende Entwicklung der Kleinen. „Sie bieten ihnen Bewegungsmöglichkeiten, die zwar ihren Bewegungsradius erweitern, aber natürliche Bewegungsabläufe stark einschränken“, weiß BAG-Geschäftsführerin Martina Abel. Außerdem unterschätzen erwachsene Aufsichtspersonen mögliche Gefahrenquellen, die durch den erweiterten Spielraum der Kleinkinder entstehen.

6000 Unfälle pro Jahr

Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte erleiden etwa 6000 Kinder pro Jahr einen Unfall, der auf das Konto der Babywalker geht. Kopfverletzungen - von Schürfwunden bis zu Schädelbrüchen - sind dabei die häufigste Verletzungsart. Oft stürzen die Kleinen mitsamt Lauflernhilfe über Türschwellen oder sogar Treppen hinunter. In anderen Fällen erleiden sie Verbrühungen, da sie durch die größere Reichweite im Babywalker Tassen oder Schüsseln mit heißer Flüssigkeit vom Tisch herunter reißen. Auch Fälle von Vergiftungen sind dokumentiert, bei denen Kinder über die Lauflernhilfe mit Medikamenten oder Zigaretten in Kontakt kamen.

Insgesamt, so die BAG, stellen die Lauflernhilfen für Kleinkinder eine der häufigsten Unfallursachen im elterlichen Heim dar. „Jeder dieser Unfälle wäre vermeidbar“, betont Abel. Aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen aus dem In- und Ausland kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Geräte nicht als sicher einzustufen sind. Zwar gibt es seit 2001 eine europäische Norm (DIN EN 1273), die der technischen Sicherheit der Geräte dient, doch reicht dies nach Ansicht der BAG nicht aus. Das Gefährdungspotenzial liegt jenseits technischer Funktionssicherheit. In Kanada hat der Gesetzgeber dies bereits erkannt. Dort ist der Verkauf von Lauflernhilfen seit Anfang 2004 landesweit verboten.

Verfolgt man Rapex, das EU-Warnsystem für unsichere Produkte, so findet man auf den wöchentlichen Mängellisten immer wieder Kleidungsstücke für Kinder. Aufgrund von viel zu langen Kordeln oder Schnüren, insbesondere im Kapuzen- und Halsbereich, wird die Gefahr einer Strangulierung angezeigt.

Nach neuen EU-Meldungen ist jedes zehnte Kleidungsstück in der EU nicht kindersicher, und es wird von über 1000 Unfällen mit Kordeln, Bändern und Schnüren berichtet. Vor allem Jacken, Anoraks und Sweatshirts stellen ein Risiko dar. Kinder können sich beim Spielen und Klettern im Haus und auf Spielplatz- und Sportgeräten verfangen. Gefährlich sind auch Türen von Schulbussen und U-Bahnen, Rolltreppen, Geländer und Zäune.

Seit 2005 gilt die DIN EN 14682 „Sicherheit von Kinderbekleidung; Kordeln und Zugbänder an Kinderbekleidung; Anforderungen“ (aktuelle Fassung: EN 14682:2007). Sie trifft Regelungen für Kleidung für Kinder bis 14 Jahre:

  • Kordeln und Schnüre im Kapuzen- und Halsbereich dürfen bei Kleidung für bis 7-Jährige und bei einer Körpergröße von 134 cm nicht mehr vorhanden sein.
  • Bei Kleidung für ältere Kinder unterliegen Kordeln und Schnüre Sicherheitsbeschränkungen, d.h. sie dürfen nicht mehr als 7,5 cm Länge vorweisen und keinesfalls aus elastischem Material sein.
  • Kordeln und Schnüre an Taille, Beinen und Säumen werden ebenfalls beschränkt.

Diese bereits existierenden Sicherheitsvorschriften werden offensichtlich immer wieder übergangen. Da eine lückenlose Kontrolle nicht möglich ist, gelangen gefährliche Produkte weiter auf den europäischen Markt, sei es als Importe oder auch als EU-Produktion.

In einer aktuellen Studie hat die EU vom August 2008 bis Februar 2010 mehr als 16.000 Kleidungsstücke für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren untersucht. Fast 2200 Produkte wurden vom Markt genommen; darunter waren 70 % Kleidungsstücke für Säuglinge und Kleinkinder.

Die EU fordert die Hersteller und Importeure auf, die Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Verbraucher sollten Kinderkleidung vor dem Kauf kontrollieren und bei Kleinkindern vollkommen auf Kordeln oder Schnüre verzichten.

Weiterführende Informationen bei europa.eu