Internationale Beziehungen

Als Fachnetzwerk und Kooperationsplattform steht die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder mit vielen Partnerorganisationen in Europa und auf anderen Kontinenten in Verbindung. Ziel der gemeinsamen Arbeit, des Erfahrungsaustauschs und Wissenstranfers ist es, dass Kinder sicher und gesund aufwachsen - egal, wo und unter welchen Bedingungen sie leben. Regelmäßige Netzwerktreffen ermöglichten den Austausch über Präventionsstrategien, konkrete Projekterfahrungen und fruchtbare Kooperationsbeziehungen in den teilnehmenden Ländern und mit EU-Partnern.

Safe Kids Wordwide Logo: Safe Kids Wordwide (TM)

Das Safe Kids Worldwide Netzwerk ist ein internationaler Zusammenschluss von NGO's, die sich jeweils in ihrem Land der Verhütung von Kinderunfällen widmen.

Die Vertreter von mittlerweile 25 Mitgliedsländern sind überzeugt, dass sie Kinderunfälle auf nationaler und internationaler Ebene gemeinsam mit Partnern aus Politik und Wirtschaft wirksam bekämpfen können. In Form von anwaltschaftlicher Arbeit zum Schutz der Kinder und als Lobbyorganisation für eine höhere Priorität der Unfallprävention führt Safe Kids Worldwide Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen durch, initiiert und unterstützt lokale Aktivitäten, trägt zur Schaffung sicherer Lebenswelten für Kinder bei und vernetzt die Aktivitäten der Mitgliedsorganisationen.

Der Gründer und ehemalige CEO von Safe Kids Worldwide Dr. Martin R. Eichelberger betonte auf der Safe Kids Worldwide Konferenz 2005: "Es besteht ein dringender Bedarf für eine globale Organisation, die Forschungsergebnisse zusammenführen, Gemeinschaftsprogramme entwickeln und die Erfahrungen vorbildlicher Modelle teilen kann. Jedes durch einen Unfall zu Schaden gekommene Kind ist eines zu viel!"

Als Mitglied von Safe Kids Worldwide setzen wir uns dafür ein, aus gemeinsamen Forschungsergebnissen Programme und Modelle zu entwickeln, die ein wichtiger Beitrag für das Netzwerk und für die Sicherheit von Kindern sind.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.safekids.org/

TACTICS – ein Projekt, um das Leben der Kinder in Europa sicherer zu machen Bild: Kinder halten Buchstaben SAFETY

Im Herbst 2014 legte die European Child Safety Alliance ihre Ergebnisberichte zum europäischen „TACTICS“ Projekt vor.

TACTICS (Tools to address Childhood Trauma, Injury and Children´s Safety) lief von April 2011 bis März 2014 und baute auf der erfolgreichen Arbeit vergangener EU-Projekte, wie dem  Child Safety Action Plan (CSAP) Projekt  (2004-2010) auf.

TACTICS hat als europäische Gemeinschaftsinitiative unter Leitung der European Child Safety Alliance Chancen und Grenzen von Verfahren zur Stärkung der Kindersicherheit in den europäischen Nationen ausgelotet.

Es wurden Nationale Aktionspläne zur Verletzungsprävention in den mitwirkenden 31 Ländern auf den Weg gebracht und bewertet, Kindersicherheits-Gutachten für die Nationen erstellt, ein vergleichendes Länder-Ranking vorgenommen und die Machbarkeit eines sogenannten Kindersicherheits-Index überprüft.

Ein besonders interessantes Projektergebnis waren vergleichende Kindersicherheitsgutachten aller beteiligter Länder - die „Child Safety Report Cards“. In dem dabei entstandenen internationalen Vergleich zur Kindersicherheit liegt Deutschland bei Projektabschlusss auf Platz drei des Rankings.

Ergänzt wurden diese Resultate mit Fallstudien, Regionalanalysen und Verfahren zur Bewertung von „Good Practice“. Im sogenannten „AIM“-Prozess – Adoption, Implementation and Monitoring of Interventions for Child Safety – wurden Faktoren herausgearbeitet, die erfolgreiche Kindersicherheits-Aktivitäten begünstigen. Diese Gelingensfaktoren sind:

  • Klare Leitung und Regiefunktion
  • Koordination und Zusammenarbeit
  • Finanzielle Absicherung
  • Fachkompetenz
  • Verfügbare Daten
  • Zielführende Präventionsstrategien
  • Förderliche Rahmenbedingungen und Settings
  • Sichtbarkeit

Im Ländervergleich hat Deutschland gut abgeschnitten und einen „Smiley“ für die Entwicklung der Kindersicherheit erhalten. Es sind aber auch nicht ausgeschöpfte Potenziale für Deutschland zu erkennen, denn die Niederlande, Großbritannien und Schweden haben besser abgeschnitten.

Nicht zuletzt ist bei der Unfallprävention in Heim und Freizeit und bei der Erreichung von Chancengerechtigkeit für die Sicherheit aller Kinder – egal aus welchem sozialen oder kulturellen Kontext sie kommen - noch viel zu tun.

Die kompletten TACTICS-Materialien sind zu finden unter: http://www.childsafetyeurope.org/tactics/index.html

TACTICS Teilbericht zu gewaltbedingten Verletzungen bei Kindern in Europa

Am 20. März 2014 stellte die European Child Safety Alliance ihren Report zu nationalen Aktionen zur Verhütung von "absichtlichen Verletzungen" (Gewalt) von Kindern vor. Unterstützt wird dieser Aktionsplan von Isabelle Durant, Vizepräsidentin des EU Parlaments und Bernard De Vos vom European Network of Ombudspersons for Children.

TACTICS (Tools to address Childhood Trauma, Injury and Children´s Safety) ist eine groß angelegte, mehrjährige Initiative, die den Informationsaustausch der beteiligten Länder verbessern, vorhandene Ressourcen bündeln, evidenzbasierte Maßnahmen zur Prävention von Verletzungen allen beteiligten Ländern bekannt machen und einen Transfer vorbildlicher Maßnahmen unterstützen möchte.

Um das Leben aller Kinder in Europa sicherer zu gestalten deckt TACTICS Ungleichheiten im Zusammenhang mit der Gesundheit von Kindern auf und will dadurch auf lokaler und regionaler Ebene für die Kindersicherheit wirken.

Diese Initiative, die von April 2011 bis März 2014 läuft, baut auf die erfolgreiche Arbeit vergangener EU Projekte, wie dem  Child Safety Action Plan (CSAP) Projekt  (2004-2010) auf.

TACTICS wird von der European Child Safety Alliance in Verbindung mit einer Gruppe von wissenschaftlichen Institutionen, NGOs und anderen Einrichtungen aus insgesamt 30 Ländern geführt.

Einen ausführlichen Bericht in englischer Sprache finden Sie hier.

Child Safety Report Cards 2012 Foto: Präsentation der Report Cards

"Child Safety Report Cards" 2012: Kindersicherheit in Europa sehr unterschiedlich und verbesserungsbedürftig

Am 12. Juni 2012 stellte die European Child Safety Alliance, das europäische Netzwerk zur Verletzungsprävention bei Kindern, im Europäischen Parlament in Straßburg die Ergebnisse zur Kindersicherheit in Europa vor. Für 31 europäische Nationen wurden so genannte "Child Safety Report Cards", also Gutachten zur Kindersicherheit, präsentiert und die Länderergebnisse in einem zusammenfassenden Bericht bewertet.

Die Gutachten sind die Aktualisierung der vergleichenden Bewertung der Kindersicherheit in den Ländern Europas aus den Jahren 2007 und 2009. Es wurden Maßnahmen und Strategien zur Verkehrssicherheit, zur Wassersicherheit, zur Prävention von Stürzen, Vergiftungen, Brand- und Erstickungsunfällen analysiert, ebenso wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Datenlage, die Infrastruktur und die fachlichen Grundlagen. Es zeigen sich große Unterschiede und teils gravierende Defizite bei der politischen Umsetzung in den Ländern Europas – auch in Deutschland. Auf Basis der Ergebnisse der Länder, die am besten abgeschnitten haben – darunter Finnland, Island und Tschechien – geben die „Report Cards“ und der Ländervergleich Empfehlungen zu Präventionsstrategien. Zudem wird dargestellt, welche Prioritäten für die Kinderunfallprävention in den beteiligten Ländern gesetzt werden sollten.

Ergebnisse im Trend

Insgesamt hat sich die Kindersicherheit in den 18 Ländern, die sich bereits seit 2007 an den Begutachtungen der European Child Safety Alliance beteiligt haben, bis zum Jahr 2012 verbessert. Deutschland zählt unter den Teilnehmenden zu den Nationen, die eine gute Gesamtbewertung erhalten haben. Keines der Länder hat ein exzellentes Ergebnis erzielt. Es besteht also überall in Europa noch Verbesserungsbedarf. Vor allem sind Strategien der politisch Verantwortlichen gefragt, wo und wie in eine ressortübergreifende und effektive Verletzungsprävention investiert werden soll.

Seit der letzten Bewertung im Jahr 2009 hat sich Deutschlands Ergebnis insgesamt verbessert, in einigen Bereichen sind aber auch Einschränkungen zu verzeichnen. Die Bewertungen im Bereich Verkehrssicherheit sind kontinuierlich sehr positiv, herausragend ist die Sicherheit von Fußgängern. Erfreulicherweise hat die Prävention von Vergiftungsunfällen eine deutliche Aufwertung erfahren. Dies ist nicht zuletzt durch die Arbeit der BAG Mehr Sicherheit für Kinder, insbesondere durch die Kampagne zum Kindersicherheitstag 2009, bedingt. Auch bei der Sturzprävention gibt es eine positive Entwicklung. Gegen Verbrennungen und Verbrühungen könnten Kinder in Deutschland noch besser geschützt werden, wenn der Einbau von Rauchmeldern im Privatbereich bundesweit Pflicht würde. Die vergleichsweise negativen Ergebnisse im Bereich der Wassersicherheit sind dem ungünstigen Umstand geschuldet, dass es in Deutschland keine nationalen Gesetze, Lehrpläne oder Beschilderungen zur Wassersicherheit gibt, sondern diese Ländersache ist. Die Bewertung föderaler Regelungen und Leistungen liegt außerhalb der Möglichkeiten des nationalen Vergleichs, der bei den Report Cards vorgenommen wurde – somit sind die Ergebnisse verzerrt.

Einbrüche gibt es bei der Infrastruktur und den Kapazitäten: Die Kinderunfallprävention im Heim- und Freizeitbereich könnte institutionell besser ausgestattet und von der Regierung besser unterstützt sein. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder, die Deutschland auch als Mitglied in der European Child Safety Alliance vertritt, setzt sich als Fachnetzwerk und Koordinierungsstelle für eine Stärkung der Prävention von Verletzungen bei Kindern in Deutschland ein. Leider ist die Finanzierung dieser Organisation ebenso wenig wie die Fachdatenbank www.bzga.de/kindersicherheit nicht längerfristig gesichert.

Die Ergebnisse für Deutschland sind im Detail hier (Report Card Germany, PDF und Country Profile, PDF) nachzulesen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass hier von der europäischen Perspektive gedacht und nationale bzw. föderale Besonderheiten nicht in vollem Umfang berücksichtigt werden.

Der Berichtsband zum europäischen Vergleich findet sich hier (PDF)

Weitere Hintergrundinformationen stellt die European Child Safety Alliance hier zur Verfügung:

Child Safety Report Cards - Übersichtsseite
Pressemitteilung vom 12. Juni 2012 (PDF)
Frequently Asked Questions (PDF)

SafetyLit - wöchentlicher Infodienst zum Thema Unfallprävention

SafetyLit ist ein kostenloser Service des "Center for Injury Prevention Policy and Practice" an der San Diego Universität in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation.

SafetyLit liefert Kurzfassungen von Berichten von Forschern aus mehr als 30 Berufsgruppen, die sich mit dem Thema Prävention von Unfällen, Gewalt und Selbstverletzung beschäftigen, z.B. Antropologie, Wirtschaft, Erziehung, Ingenieurswesen, Ergonomie, Gesundheit und Medizin, Recht, Psychologie oder Soziologie.

Wöchentlich erscheinen Zusammenfassungen von ca. 300 Artikeln, die als pdf-Datei per Email abonniert werden können oder über RSS abrufbar sind.

SafetyLit Infodienst